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Full text of "JapanLive September 2005"

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JapanLive 



September 2005 



Herzlich Willkommen zu JapanLive 



Ich freue mich, daB Sie durch Ihren 
Download Interesse an diesem 
neuen Magazin zeigen. Es ist ein 
besonderes Magazin, denn die 
Autoren sind Leute wie "Du und 
ich", sie leben in Japan oder sie 
haben auf andere Weise mit Japan 
zu tun. 

Das Magazin ist kostenlos und soil 
auch kostenlos bleiben. Wenn wir 
damit kein Geld verdienen wollen, 
aus welchem Grund geben wir 
dann diese Zeitschrift heraus ? 

Ganz einfach, das Magazin mochte 
den Erfahrungsaustausch zwischen 
den an Japan interessierten Deut- 
schsprachigen (also Deutschen, 
Osterreichern, Schweizern, usw.) in 
Gang bringen und hoffentlich ver- 
bessern. 

Wenn nur einige von Ihnen ein bis- 
schen Ihrer Zeit fur diesen Zweck 
opfern und z.B. einen Artikel uber 
ihre Japanerfahrungen schrieben, 
konnten viele davon profitieren. 

Wir leben/lebten in Japan, wir ken- 
nen Japan und konnen deshalb 
recht einfach andere iiber das 
Leben und die Realitat in Japan in- 
formieren. Vor alien Dingen wur- 
den wir dazu beitragen, daB end- 
lich das Manga-, Geisha-, Fujiyama- 
Bild von Japan aus den Kopfen der 
Leute zuhause verschwindet. 

Es gibt doch eine so groBe Vielfalt 
von Themen uber die es sich zu be- 



richten lohnt; Politik, Wirtschaft, 
Wissenschaft, Kulinarisches, Kul- 
tur, Sprache, Sprachwissenschaft, 
Medizin, u.v.a. mehr. 

Zwar kennt man sich selbst nur auf 
einigen wenigen Gebieten gut aus. 
Da aber Andere sich auf un- 
terschiedlichen Gebieten ausken- 
nen, konnen wir doch zusammen 
einen guten Uberblick uber das 
wirkliche Japan geben. 

Mailinglisten und Foren sind dazu 
nicht so geeignet, da dort meistens 
die Nachrichten kurz sein sollen. 
Eine Zeitschrift dagegen ist ein 
gutes Medium, um detaillierte Er- 
fahrungsberichte weiterzugeben. 

Unterstutzen Sie uns doch dabei, 
indem Sie einen Artikel fur eine 
der nachsten Ausgaben schreiben. 
Melden Sie sich dazu einfach mit 
einem Themenvorschlag bei mir: 

JapanLi ve@gmail . com 

Ich freue mich schon auf viele Zu- 
schriften und Vorschlage. Beson- 
ders freue ich mich auch iiber Hin- 
weise auf interessante Leute und 
Ereignisse in Japan. 

Betrachten wir doch dieses Maga- 
zin als eine Chance, um Japan (und 
auch ein biBchen China und Korea 
- dazu siehe spater) den Deutsch- 
sprachigen naher zu bringen. 

Bevor ich zu einer kurzen Inhalts- 
angabe dieser Ausgabe komme, 
habe ich eine grosse Bitte: wir sind 




Die Erstausgabe entstand (nicht stilgerecht) im Nordschwarzwald. 



keine Profis, verzeihen Sie groB- 
zugig Fehler und Schwachen dieser 
Zeitschrift. Da wir aber lernen wol- 
len, bitte ich Sie mir deswegen 
unbedingt Ihre Gedanken und 
Kommentare zu dieser Ausgabe zu 
senden. Auch Tips, wie man die 
Zeitschrift besser machen konnte, 
sind sehr willkommen. 

Fur diese Ausgabe gibt es viele 
gute und leider auch einige 
schlechte Nachrichten, die schlech- 
ten zuerst: einige Artikel sind nicht 
rechtzeitig fertiggeworden, sie 
werden deshalb in die nachste 
Ausgabe verschoben. Gute Nach- 
richten sind die interessanten Arti- 
kel auf den nachsten Seiten. 

Zum Inhalt dieser Ausgabe: 

Viele Japaninteressierte kennen 
bereits die Mailinglisten "J-Studi- 
en" und "DinJ: Deutschsprachige 
in Japan". Fur diejenigen, die die 
Listen doch noch nicht kennen 
sollten, stellen Horst Plambeck und 
ich sie auf den Seiten 6 und 22 kurz 
vor. 

Alle, die mit der japanischen Spra- 
che zu tun haben, kennen und 
schatzen das Japanisch-Deutsch- 
Lexikon Wadokujiten. Es ist mir 
eine groBe Freude, daB der Grun- 
der und Betreuer Ulrich Apel uns 
sein Lexikon auf Seite 7 vorstellt. 

Mehr und mehr benutzen es nur 
noch als Internetprodukt. Hans-Jorg 
Bibiko hat sich schon fruhzeitig 

sehr um das Lexikon bemuht und 
er erklart in einem Interview auf 
Seite 10 wie es mit seiner 
Onlineversion des Wadokujiten 
weitergeht. 

Denen, die Japanisch verstehen 
mussen, ohne es gelernt zu haben, 
nutzt leider auch das Wadokujiten 
wenig. Fur sie gibt es aber even- 
tuell Hoffnung. Man hort zwar im- 
mer wieder, daB automatische 
Ubersetzungen schrecklich seien, 
manchmal jedoch gibt es aber auch 
positive Meldungen zu diesem 
Thema. 

Einer dieser positiven Nachrichten 
bin ich nachgegangen und habe 
den CEO einer Firma, die automa- 



JapanLive 



September 2005 



tische Ubersetzungen ("machine 
translations") von japanischen Pa- 
tenten anbietet, interviews Viel- 
leicht sind verstandliche automa- 
tische Ubersetzungen doch gar 
nicht so weit entfernt (Seite 12). 

Auf jeden Fall mufMe aber Daruma 
san allgemein bekannt sein - oder 
etwa doch nicht ? Doch doch, be- 
stimmt, schlagen Sie mal weiter zur 
Seite 15 und lassen Sie sich von 
Frau Greve iiber Daruma san und 
das Daruma-Museum informie- 
ren. 

DaB sich die Arbeit als Fernseh- 
korrespondent und das Hobby 
Krimischreiben nicht gegenseitig 
behindern, sondern sogar ergan- 
zen, zeigt uns Gert Anhalt (auch 
als Raymond A. Scofield bekannt) 
im Interview auf Seite 17. Er stellt 
uns den Detektiv Hamada-san vor. 

Weniger gefahrlich als Hamada- 
sans Abenteuer, doch genauso 
spannend sind die Erfahrungen von 
Frau Parissa Haghirian als erster 
auslandischer Professorin der 
Managementfakultat der Kyushu 
Sangyo Daigaku, ihr Bericht auf 
Seite 19. 

Ein biBchen weh tut es schon, wenn 
Herr Thomas Blasejewicz zusticht, 
trotzdem lassen sich dies mehr und 
mehr Leute gefallen. Er berichtet 
iiber sein Handwerk "Akupunk- 
tur" auf Seite 20. 

Frau Marga Dinkel hat sich uns 
zuliebe dem Handwerk "Quark 
machen in Japan" zugewandt und 
berichtet auf Seite 23 von den 
wohlschmeckenden Ergebnissen. 



Fahrradfahren in Japan ist ein Als ich ihn zum ersten Mal geleert 

Erlebnis, Frau Anette Eckard habe, fand ich eine interessante 

schrieb uns einen Stimmungsbe- Idee von Frau Hayashi darinnen - 

richt (Seite 24). Sie bittet auf Seite 30 um Ihre Hilfe. 



Diejenigen, die regelmafMg zum 
Wissenschaftlichen Gesprachskreis 

der deutschen Botschaft in Tokyo 
kamen, kennen Klaus Matthes. 
Inzwischen ist er schon eine 
Zeitlang wieder nach Deutschland 
zuruckgekehrt. Er gibt uns auf Seite 
26 einen Ruckblick auf seinen 4/4 - 
jahrigen Japanaufenthalt. 

Vielleicht etwas weniger bekannt, 
doch genauso interessant ist Sarah 
Stark, die von Schaumkusswurfma- 
schinen bis hin zu deutscher Kultur 
einiges in Japan bekanntgemacht 
hat. Wir haben bei Frau Stark nach- 
gefragt, welche Erfahrungen sie 
denn so in Japan gemacht hat, Na- 
heres auf Seite 28. 

Auch wenn der Fokus dieser Zeit- 
schrift auf Japan liegt, kann man 
Japan nicht isoliert von der rest- 
lichen Welt betrachten. Japan ist 
auch nicht ausschlieBlich durch 
seine Kontakte mit der europa- 
ischen/amerikanischen Kultur be- 
einflufM, sondern ganz entschei- 
dend durch enge Kontakte mit 
China und Korea. In der Kolumne 
"Blick nach Westen" mochte ich 
deswegen ein biBchen iiber den 
Tellerrand schauen und interes- 
sante Geschichten und Leute aus 
China und Korea vorstellen, alle 
mit Blick auf Japan, z.B. auf Seite 31 
ein Interview mit dem Sinologen 
Dr. Martin Woesler. 

Einen Briefkasten haben wir auch. 



Gerade passend zu den neuesten 
Nachrichten, daB Frauen eventuell 
japanische Kaiserinnen werden 
konnen, veroffentlichten Martin 
Fritz und Yoko Kobayashi Ihr Buch 
iiber die japanische Kronprinzessin 
Masako und das Drama am 
japanischen Kaiserhof. Ein MuB fur 
alle, die mehr iiber die auslan- 
dische Japanerin am Kaiserhof 
wissen mochten (Seite 33). 

Ein weiteres Buch mochte ich Ihnen 
nicht vorenthalten. Frau Elke Haya- 
shi-Mahner berichtet iiber die Situ- 
ation der Tagelohner und der Ob- 
dachlosen in Japan. Ihr Buch ist 
eine interessante Einfuhrung in die 
japanische Sozialpolitik, dazu mehr 
auf Seite 34. 

Nun, wie Sie sehen, kann ich Sie auf 
einer neuen und interessanten 
Reiseroute durch Japan fuhren. 
Kommen Sie einfach mit. Und wenn 
Sie dann unterwegs sind, schreiben 
Sie doch gleich auch einen Bericht 
iiber Ihre Japanerfahrungen. Wir 
freuen uns darauf. 

Michael Engel 

p.s. Ich sollte unbedingt noch 
erwahnen, daB dieses Magazin 
noch einen weiteren Zweck erful- 
len soil. Es mochte Leute vorstel- 
len, die mit Japan zu tun haben, ein 
spezielles, japanbezogenes "Who- 
is-who". Es bietet damit eine groB- 
artige Grundlage fur eine Commu- 
nity. 



neuseit 01/2010: 
http://japanlive-magazin.de 



Impressum 

JapanLive 

email: JapanLive@gmail . com 

homepage: hit p : //j apan ■ mkengel ■ de/ JapanLive/ 

demnachst: http://www.dinj .de 

fax: +49-1212-5110-32105 (Deutschland) 
postalische Adresse: Narita, Japan (Naheres auf 
Anfrage) 

Herausgeber 

Dr. Michael Klaus Engel 



Deutschlandkorrespondentin: 

Maria Trunk 

Autoren dieser Ausgabe 

Dr. Ulrich Apel, Thomas Blasejewicz, Marga Dinkel, 
Anette Eckard, Dr. Michael Klaus Engel, Dr. Gabi 
Greve, Dr. Parissa Haghirian, Horst Plambeck und 
Maria Trunk 

Interviews mit Hans-Jorg Bibiko, Gert Anhalt, Dr. Klaus 
Matthes, Sarah Stark und Dr. Martin Woesler 



Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind die Ansichten 

des jeweiligen Autors und nicht die von JapanLive. 

Copyright: 

Das Copyright der einzelnen Artikel liegt bei den jeweiligen 



Autoren. Das Copyright der gesamten Ausgabe liegt bei mir. 
Zum Nachdruck einzelner Artikel muB die Erlaubnis des 
jeweiligen Autors eingeholt und mir vor Nachdruck die 
Referenz des nachzudruckenden Artikels mitgeteilt werden. 



JapanLive 



September 2005 



Grussworte 




Botschaft 

der Bundesrepublik Deutschland 

Tokyo 

Embassy 
of the Federal Republic of Germany 



Tokyo, den 26. Mai 2005 



Grufiwort des 
Deutschen Botschafters 



Ich begriiBe die Initiative einer Zeitschrift fur Deutschsprachige in Japan. Sie kann den 
Neuankommlinge das Einleben erleichtern und dazu beitragen, dass die Erfahrungen mit diesem 
wunderbaren Land nicht durch unnotige Probleme im Alltagsleben beeintrachtigt werden. 
Eigeninitiative ist in Japan wie in jedem anderen Land das beste Mittel, um sich rasch 
einzuleben. Ich wunsche dieser Initiative Erfolg, eine breite Leserschaft und vor allem viele 
aktive Teilnehmer. Die Botschaft freut sich auf engen Kontakt und intensive Zusammenarbeit. 

Henrik Schmiegelow 




Der Osterreichisch e Botsch after 
' The Austrian Ambassador 

Dr. Peter MOSER 



Tokio, am 24. Mai 2005 



Fur Ihre Initiative unter den deutschsprachigen in Japan einen engeren 
Zusammenhalt zu schaffen mochte ich Ihnen gratulieren. Gerade das Medium 
des Internet eroffnet Moglichkeiten, die bis vor kurzem noch undenkbar waren. 

Ich bin iiberzeugt, dass auch die Osterreicher in Japan Ihre Internetnachrichten 
und die in Aussicht genommene Zeitschrift sehr interessant finden werden. 




Dr. Peter Moser 



JapanLive 



September 2005 



Wichtige Adressen 



Vertretungen in Japan 



Deutsche Botschaft 

http://www.tokyo.diplo.de/ 

email: info@t oky o . diplo . de 

email: germt oky §ma . rosenet .ne.jp 

4-5-10, Minami-Azabu, Minato-ku, Tokyo 106-0047 
(Hibiya-Line, Station Hiro-o, Exit 1); Tel. : (03) 5791- 
7700; Fax: (03)5791-7773 

Deutsches Generalkonsulat Osaka-Kobe 

email: info@osaka-kobe . diplo . de 

Umeda Sky Building, Tower East, 35th F. ; 1-1-88-3501, 
Oyodonaka, Kita-ku, Osaka 531-6035; Tel. : (06)-6440- 
5070; Fax: (06) 6440-5080 

Osterreichische Botschaft, 

http://www.austria.or.jp/index g.html 
email: t okio-ob@bmaa . gv. at 

1-1-20, Minami-Azabu, Minato-ku, Tokyo 106-0046 
(Hibiya-Line, Station Hiro-o, Exit 1); Tel: (03) 3451 
8281, Fax: (03)3451 8283 

dsterreichisches Honorar-Generalkonsulat Osaka 

T541-0046, Osaka, Chuo-ku,; Hiranomachi, 4-1-2, 
Osaka Gas Co. Ltd. , Tel/Fax: (06) 6205 4680 

Osterreichisches Honorarkonsulat Nagoya 

T 46 1-871 1, Nagoya-shi, Higashi-ku, Izumi, 1-23-22, 
Tel: (052) 952 21 1 1, Fax: (052) 952 4900 



dsterreichisches Honorarkonsulat Fukuoka 

T 8 10-8721, Fukuoka, Chuo-ku, Tenjin, 1-4-1, The 
Nishi Nippon Newspaper Co. Ltd. , Tel: (092) 7 1 1 
51 11, Fax: (092) 711 5423 



dsterreichisches Honorarkonsulat Hiroshima 

T 730-8552, Hiroshima, Naka-ku, Kita-machi, 
Hakushima, 19-2 , Hiroshima Home Television Co. , 
Ltd, Tel: (082) 221 4964, Fax: (082) 221 4731 



dsterreichisches Honorarkonsulat Sapporo 

email: aust rian-consulat e-sappor o@fu j imegane .co.jp 

T 060-0001, Sapporo, Chuo-ku, Nishi-3, Kita-1, Fuji 
Megane Bldg. 6F, Fuji Megane Co. , Ltd. , Tel: (011) 
261 3233, Fax: (011)222 3861 

Schweizer Botschaft 

http://www.eda.admin.ch/tokyo emb/e/home.html 

T 106-8589 Tokyo, Minato-ku, Minami-Azabu, 5-9-12, 
Tel: (03) 3473 0121, Fax: (03) 3473 6090, 

Generalkonsulat Osaka 

email: vert r etung@osa . rep ■ admin . ch 

T 530-0003, Osaka, Kita-ku, Dojima 1-chome, 2-5, 
Dokita-Daibiru Bldg. 7F, Tel: . (06) 6344 7671 / 73, Fax: 
(06) 6344 7678 



Japanische Vertretungen 



Japanische Botschaft in Deutschland 

http://www.de.emb-japan.go.jp / 

email (Deutsch/Englisch): info@botschaft-japan.de 
email (Japanisch): japanese-info@botschaft-japan.de 

Hiroshimastrase 6, 10785 Berlin 

Tel. +49-30-210-94-0; Fax +49-30-210-94-222 



Japanische Botschaft in der Schweiz 

http://www.ch.emb-japan.go.jp 
email: eojs@bluewin.ch 

Engestrasse 53, Postfach, 3000 Bern 9 

Tel: +41-31-300-22-22, Fax: +41-31-300-22-55 



Japanische Botschaft in Osterreich 

http://www.at.emb-japan.go.jp 
email: inf o@emb j p . at 

Hessgasse 6, 1010 Wien 

Tel: +43-1-531-920, Fax:+43-1-532-0590 



Korrekturen bitte an JapanLive@gmaiLcom 



JapanLive 



September 2005 



Die Mailing-Liste J-STUDIEN der GJF 

Horst Plambeck 



Am 28. Juni 1997 wurde mit einer 
Rundmail an ca. 50 Japanwissen- 
schaftler/innen der Grundstein zum 
Beginn der deutschsprachigen 
Mailing-Liste "J-STUDIEN" gelegt. 
Seitdem erfreut sich die Liste eines 
stetigen Zulaufs und verzeichnet 
heute fast 1000 Mitglieder. Begon- 
nen hat alles im Mai 1997 auf einer 
Tagung der Gesellschaft fur Japan- 
forschung e.V. (GJF), dem alleini- 
gen Sponsor der Liste. Der damali- 
ge Vorstand (bestehend aus Prof. 
Dr. Peter Portner, Prof. Dr. Regine 
Mathias, Dr. Peter Fischer und Prof. 
Dr. Hilaria Gossmann) hatte ange- 
regt, eine Mailing-Liste zu eroffnen, 
um so der Gesellschaft mehr Of- 
fentlichkeit und Mitglieder zu ver- 
schaffen. 

Mit der technischen Einrichtung 
und Verwaltung der Liste wurde 
ich beauftragt. Die Schaffung einer 
Mailing-Liste passte auch zeitlich 
gut zur Vorbereitung des Japano- 
logentags 1999 in Trier. 

Dem Rechenzentrum der Universi- 
tat Trier ist zu verdanken, dass die 
Liste schnell und unburokratisch 
eingerichtet werden konnte. 

Meine Aufgaben als Verwalter der 
Liste beschranken sich auf das 
Organisatorisch-Technische, denn 
alle Interessenten konnen sich 
belie-big selbst ein- und austra- 
gen. Die Liste lauft automatisch und 
ist nach wie vor bewusst unmo- 
deriert - eine Tatsache, die ent- 
scheidend fur ihren Erfolg sein 
konnte, denn andere moderierte 
deutsche Japan-Listen konnten sich 
nicht lange halten. 

Fur viele sind Mailing-Listen mit- 



tlerweile zum unverzichtbaren Be- 
standteil der elektronischen Kom- 
munikation geworden. J-STUDIEN 
versteht sich dabei einerseits als 
nutzliche Quelle fur japan- 
bezogene Informationen aller Art: 
neben Ankundigungen von und 
Berichte uber japanbezogene Ver- 
anstaltungen, Symposien, Work- 
shops, Konferenzen, Vortrage und 
Ausstellungen gab und gibt es 
auch weiterhin Nachrichten uber 
aktuelle Stellenangebote, Preisver- 
leihungen, japanische Spielfilme in 
Fernsehen und Kino, Computer- 
Software, relevante Internet-Home- 
pages und vieles mehr. 

Andererseits ist J-STUDIEN aber 
auch ein wissenschaftliches Diskus- 
sionsforum und verbindet deutsch- 
sprachige Japan-Forschende in der 
ganzen Welt. Die Ausrichtung der 
Liste ist naturgemass wie der 
Trager GJF akademischer Natur, 
und es sind so gut wie alle Lehren- 
den an deutschsprachigen Japano- 
logien eingeschrieben. Die Mehr- 
heit der Mitglieder bilden mittler- 
weile jedoch andere an Japan 
Inter essierte. 

Die Starke dieser Liste liegt auf 
dem Gebiet der Informations- 
beschaffung: Fur fast jedes japan- 
bezogene Fachgebiet finden sich in 
der Liste ein oder mehrere Ex- 
perten, die oft bereitwillig Auskunft 
geben, wie eine Datenbank mit 
einem groBen Wissenspool. Wahr- 
scheinlich ist es das, was viele an J- 
STUDIEN so fasziniert und nicht 
mehr missen mochten. Die Ergeb- 
nisse von Anfragen sind ahnlich 
wie die von Google - nur nicht so 
schnell, dafur aber viel genauer 
und personlicher. 



Weitere Informationen und Zugang 
zu J-STUDIEN findet man auf der 
GJF- Website http://www. gjf. de . 




Horst Plambeck 

Horst Plambeck 

1957 geb. in Yokohama, Japan 

1986-92 Toningenieur bei WDR 
Koln und SWR Baden-Baden 

1992-95 freiberuflicher Systemad- 
ministrator am DIJ, Tokyo 

1995-2001 freiberufliche Tatigkeit 
im Bereich IT-Dienstleistungen 

200 1 Grundung der Firma 
j@panlayout [print • screen • 
publishing] , Trier 



Titelbild:© 
Steinlaterne in Nikko 

von Cora Zimmermann 
htto://www.cora. zimmermann.com/ 



JapanLive 



September 2005 



WaDokuJiten - Das elektronische japanisch-deutsche Worterbuch 

UlrichApel 



Sobald man sich als Auslander 
etwas intensiver mit Japan und 
seinen Einwohnern befasst, steigt 
das Bedurfnis sich auch mit deren 
Sprache zu beschaftigen. 

Japanisch gehort wohl nicht zu den 
„einfachsten" Sprachen der Welt. 
Im Zeitalter der Entdeckungen soil 
eine Delegation des Vatikans nach 
ihrem ersten Besuch Japans nach 
Hause gemeldet haben, dass die 
dortige Sprache der Teufel erfun- 
den haben muss. Dieser habe nam- 
lich, um zu verhindern, dass die 
Bewohner Japans von Gottes Wort 
erfahren, deren Sprache so schwie- 
rig gemacht, dass sie praktisch 
kein Missionar erlernen kann. 

Inzwischen gibt es eine ganze 
Menge Menschen, die Japanisch 
nicht als Muttersprache gelernt 
haben und trotzdem mehr oder 
minder gut in dieser Sprache 
zurecht kommen. Nichtsdestotrotz 
gibt es weiterhin eine Reihe von 
Schwierigkeiten, wenn man mit 
Japanisch umgeht, um in Japan zu 
leben oder um noch mehr uber 
dieses Land und seine Menschen 
zu erfahren. 

Leichter ware es sicherlich mit den 
richtigen Worterbuchern. Japa- 
nisch gilt in Deutschland zwar als 
„exotische" Sprache; tatsachlich 
jedoch finden sich Japanisch und 
Deutsch gemeinsam auf den 
hinteren Rangen der zehn 
Sprachen der Welt mit den meisten 
Sprechern. Daher gibt es naturlich 
auch fur das Sprachpaar Japanisch- 
Deutsch eine ganze Menge an 
Worterbuchern; aber wenn man 
genauer hinsieht, steckt auch hier 
der Teufel im Detail. 

Das Interesse Deutschlands an 
Japan ist weit geringer als 
umgekehrt. Das hat zur Folge, dass 
sich existierende allgemeine 
Sprachworterbucher vor allem an 
den Bedurfnissen japanischer 
Muttersprachler orientieren und 
nicht an denen deutscher. Fur 
deutschsprachige Benutzer gibt es 
Informationen, die man nicht 
braucht, wie Genera des 



Deutschen, Deklinationen etc.; da- 
fur fehlen Angaben, die sich ein 
deutscher Benutzer wunschen 
wurde, etwa die Aussprache der 
japanischen Ubersetzungen in 
einem deutsch-japanischen Wor- 
terbuch. 

Die groBeren japanisch-deutschen 
Worterbiicher sind alle bereits 
kraftig in die Jahre gekommen. Das 
umfassendste japanisch-deutsche 
Worterbuch, Kimura Kinjis GroBes 
Japanisch-Deutsches Worterbuch 
wird seit 1952 unverandert bei 
Hakuyusha gedruckt. Tatsachlich 
ist das Buch jedoch erstmals 
bereits 1937 bei Hakubunkan 
erschienen. Das bedeutet, dass 
dort noch japanische Vorkriegs- 
Rechtschreibung beispielsweise 
mit nicht verkurzten Kanji und alter 
Hiragana-Verwendung geschrie- 
ben wird. 

Das neueste ausfuhrlichere japa- 
nisch-deutsche Worterbuch von 
Schinzinger, Yamamoto und Nan- 
bara ist aus dem Jahr 1980. Eintra- 
ge zu beispielsweise Computern 
oder neuen Technologien sucht 
man dort vergeblich. Selbst wenn 
man versucht, auf japanisch- 
englische Worterbiicher umzustei- 
gen, wird es nicht unbedingt bes- 
ser. Bis vor Kurzem stammte das 
popularste groBe japanisch-engli- 
sche Worterbuch aus dem Kenkyu- 
sha-Verlag aus dem Jahr 1974. Erst 
im Jahr 2001 ist es in einer 
erweiterten elektronischen Version 
erschienen, und erst im Jahr 2004 
wurde es durch eine wirklich 
aktuelle Version ersetzt. Auch 
diese Bucher richten sich vor allem 
an japanische Benutzer. Die neue 
Version des Worterbuches enthalt 
beispielsweise nicht einmal mehr 
Markierungen fur den japanischen 
Tonakzent. 

Die Bediirfnisse bei Worterbuchern 
sind wie bereits angedeutet, oft 
unterschiedlich. Als ich im Fruhjahr 
1998 begann, mich in Osaka fur 
meine Doktorarbeit iiber japa- 
nische Zukunftsforschung und Zu- 
kunftsplanung wieder intensiv in 



die entsprechende japanische 
Literatur einzulesen, war ich auch 
sehr schnell wieder sehr frustriert 
iiber die Situation der veralteten 
Worterbuchern. Als ich mit einer 
Glossar-Datenbank fur mein 
Spezialgebiet recht gut vorankam, 
war es kein weiter Schritt mehr zu, 
einem allgemeinen japanisch- 
deutschen Worterbuch. 

Wichtigstes Vorbild wurde dabei 
Jim Breens Edict. Der inzwischen 
emeritierte Professor fur Telekom- 
munikation an der Monash-Uni- 
versitat in Melbourne, Australien, 
hat in Zusammenarbeit mit einer 
Reihe von Freiwilligen ein 
j apanisch-englisches Worterbuch 
mit weit iiber lOO'OOO Eintragen 
erstellt. 

Einfluss auf mein Projekt hatte 
naturlich auch das erste 
umfassendere elektronische 

j apanisch-deutsche Worterbuch 
MacSUNRISE Kanji Diet von Mark 
Spahn und Wolfgang Hadamitzky 
aus dem Jahr 1995. Von diesem 
damals nur fur Mac OS erschienen 
Kanji- Worterbuch habe ich vor 
allem gelernt, dass man so ein 
ahnliches Worterbuch-Projekt auch 
mit der Zielsprache Deutsch 
tatsachlich angehen kann und nicht 
vor der GroBe des Projektes in die 
Knie gehen muss. Andererseits war 
die „ Arbeit" mit dem Programm 
MacSUNRISE trotz der theoretisch 
vorhandenen hervorragenden Da- 
ten leider auch ziemlich frustrie- 
rend. Das Programm ist auf keinem 
System und keinem Rechner, mit 
dem ich gearbeitet habe, jemals 
stabil gelaufen, sondern hat den 
Computer meistens schon nach 
wenigen Minuten zum Absturz ge- 
bracht. Wer weiB - wenn das Pro- 
gramm stabil gelaufen ware, hatte 
ich mein WaDoku-Worterbuch- 
Projekt vielleicht niemals begon- 
nen. 

Jim Breens Edict war zwar ein 
wichtiges Vorbild fur mein Projekt; 
der Ansatz lieB sich jedoch aus 
technischen Grunden nicht einfach 
auf ein japanisch-deutsches Projekt 
iibertragen. Edict verwendete zu 



JapanLive 



September 2005 



der Zeit, als ich mit meinem Projekt 
anfing, zur Codierung den erwei- 
terten Unix-Zeichensatz fur Japa- 
nisch (EUC-JP). Der entsprechende 
Zeichensatz enthalt keine Umlaute, 
Eszett oder deutsche Anfuhrungs- 
zeichen etc. Ich wahlte daher den 
Ansatz, eine Datenbank zu verwen- 
den, deren Felder dann entweder 
mit japanischem oder deutschem 
Inhalt gefullt werden. Probleme 
der Codierung haben dadurch, 
dass sich der Codierungsstandard 
Unicode, mit dem alle Schrift- 
zeichen, die in der Geschichte der 
Menschheit verwendet worden 
sind, codiert werden sollen, mehr 
und mehr durchsetzt, etwas abge- 
nommen.. 

Durch einen eigenstandigen Ansatz 
war es auch moglich, eine Reihe 
von damaligen Problemen bei 
Edict zu vermeiden. Japanisch 
zeichnet sich durch relativ groBe 
orthographische Varianz aus; das 
heifM, derselbe Ausdruck kann oft 
auf unterschiedliche Weise ge- 
schrieben werden, wobei jede 
jeweilige Variation „richtige" 
Rechtschreibung ist. Dies betrifft 
Okuriagana, also die Silbenzeichen 
bzw. Kana, die an ein Kanji bzw. ein 
chinesisches Zeichen angefugt 
werden, um die Flexion anzu- 
zeigen, alte und reformierte Zei- 
chenformen, Kana, die ublicher- 
weise nicht verwendete Kanji 
ersetzen usw. In Edict wie praktisch 
alien anderen elektronischen Wor- 
terbuchern passiert es mitunter, 
dass man Eintrage nicht findet, weil 
die gesuchte Schreibung nicht vor- 
handen ist, obwohl der Eintrag an 
sich existiert. Im WaDoku-Worter- 
buch sind fur die Eintrage bis zu 
etwa zehn ubliche Schreibungen 
verzeichnet. 

Eine weitere Moglichkeit von 
relationalen Datenbanken ist, dass 
man Eintrage mit anderen Ein- 
tragen verknupfen kann. Dadurch 
ist es moglich z. B. Lemmata mit 
Verwendungsbeispielen oder Bei- 
spielsatzen zu verknupfen und so 
eine Struktur zu erstellen, wie man 
sie aus gedruckten Worterbuchern 
gewohnt ist. 

Der Anfang des Projekts liegt, wie 
gesagt, im Jahr 1998. Im Fruhjahr 
1999 habe ich eine erste down- 



loadbare Version des Worterbu- 
ches mit einem Laufzeitprogramm 
meines Datenbankprogrammes 
FileMaker[l] und eine Online- 
Version^] des Worterbuches er- 
stellt. Beim Japanologentag in Trier 
im gleichen Jahr habe ich das 
Projekt erstmals einem groBeren 
Publikum vorgestellt. 

Seit dieser Zeit gibt es auch Bei- 
trage und Korrekturen der Benut- 
zer des Worterbuches. Besonders 
wenn es um Spezialvokabular z.B. 
zu Eisenbahn-Technik, Genetik 
oder Bibliothekswesen geht, sind 
die Beitrage von Benutzern, die 
sich dort eingearbeitet haben, na- 
turlich mehr als hoch willkommen. 
Aber auch wenn es einfach um 
Tippfehler oder Fehler bei Lesun- 
gen geht, konnen die Benutzer 
wertvolle Beitrage leisten. Weiter 
versuchen wir, die Daten laufend 
mit anderen Worterbuchern abzu- 
gleichen und dadurch Fehler zu 
finden und zu verbessern. Durch 
Abgleich mit Zeitungstext-Korpora 
konnen wir belegen, dass das 
Projekt weit mehr als den japani- 
schen Grundwortschatz abdeckt. 

Es gibt inzwischen eine ganze 
Reihe von Projekten, die auf meine 
Daten zuruckgreifen. Jim Breen hat 
sein Projekt [3] auf mehr ere Ziel- 
sprachen umgestellt. Die deut- 
schen Daten dazu stammen jetzt 
aus dem WaDoku-Worterbuch. 
Hans-Jorg Bibiko hat dankenswer- 
terweise inzwischen mehrmals 
uberarbeitete Online-Versionen 
des Worterbuches ins Internet 
gestellt[4] und hat die Daten fur 
leichteren Gebrauch umformatiert. 
Thomas Latka hat ebenfalls ein sehr 
populares Online-Interface [5] furs 
Worterbuch erstellt. Die deutsche 
Version des Reading Tutors[6], der 
einem hilft, die Lesungen und 
Ubersetzungen japanischer Worte 
in ganzen Texten zu finden, 
arbeitet mit meinen Daten. 
Popjisho[T\ leistet ahnliches nur mit 
aufklappenden Fenstern. Das von 
Erwan Loisant initiierte Projekt 
Moji[8] stellt ein Worterbuch-Inter- 
face fur die Sidebar von Firefox fur 
verschiedene Worterbucher zur 
Verfugung. Auch in das mehrspra- 
chige Projekt Papillon[9] sind die 
WaDoku-Daten integriert. 



2003 hat Slaven Bilac, damals ein 
Student des Tokyo Institute of 
Technology eine Version des Wor- 
terbuches im EPWING-Format, 
einem verbreiteten japanischen 
Worterbuch-Format erstellt. Vor 
wenigen Wochen haben er und ich 
eine neue Version dieser Datei 
erstellt. Ich mochte an einem 
Bildschirmfoto eines Beispieleintra- 
ges einige Besonderheiten dieses 
Ansatzes und einige Neuerungen 
des Worterbuches erlautern. 

In der Abbildung auf Seite 9 kann 
man die Eingabe des gesuchten 
Wortes „torii" sehen. In dieser Ver- 
sion des WaDoku-Worter-buches 
sind auch die deutschen bzw. in 
lateinischen Buchstaben geschrie- 
benen Eintrage indiziert. Auf der 
linken Seite sieht man, die 
gefundenen Eintrage verschie- 
dener Worterbucher. Das WaDoku- 
Worterbuch ist hier also genauso 
zu durchsuchen wie kommerzielle 
Worterbucher etwa der Verlage 
Kenkyusha oder Iwanami. 

Auf der rechten Seite sieht man den 
Worterbuch-Eintrag des WaDoku- 
Worterbuchs. Oben steht in 
Fettdruck das Lemma, zunachst mit 
seiner Lesung in Hiragana und 
dann mit der Schreibung in Kanji. 
Bei der Lesung folgt hier auf das 
Hiragana to ein Hakchen, dass 
anzeigt, dass der Registerton 
danach ansteigt: to wird also tief 
ausgesprochen und die folgenden 
Silben hoch. Der mittlere Punkt 
gliedert die Lesung: Das erste Kanji 
wird tori gelesen, das zweite i. Am 
Ende der ersten Zeile ist die 
Wortart auf Japanisch angegeben. 
Sonderzeichen wie das ange- 
sprochenen Hakchen fur den Ton- 
akzent sind in dem Font, mit dem 
das Worterbuchprogramm eigent- 
lich arbeitet, nicht enthalten. 
Genau wie Umlaute, Eszett, Lang- 
vokale und Ahnliches sind diese 
Zeichen als Bitmap-Grafik ins Wor- 
terbuch eingebunden. Es folgt in 
der zweiten Zeile die Ubersetzung 
und Erklarung des Eintrages. Die 
Abkiirzungen in geschweiften 
Klammern geben die Sachgebiete 
an, zu denen der Eintrag gehort, 
namlich „ Religion" und „Architek- 
tur". Bei der Ubersetzung sind die 
deutschen Genera von Substanti- 
ven angegeben. 



JapanLive 



September 2005 



eoe 



3A-tffl»#-HH*JS 



corii 



\% & 



& 



& 



teiK 






AH to hi 

■ torii SJg 
■to-ri-i 
SB torii <t Dl* [HJg] > 

■ to-rii m 

BFBtoriidasu < t D t^£-T 1ST 

■ Torii-ha jfeJSffi 
IH torii ha <fcQL^« [SJfSlfi 
iPtoriinffuruenza <fcQ-i':y' 

■ tori-ippen 3fi!!}— B 
SF tori-ire 51 DAtt 
■itoriire <t Di^ti IR&DA^ 

■ tori-ireru UlRR] D Aft& 
iPtoriireru <£ tmft-5 [^^ 

■ tori-iru^DA^ 
iPtoriiru <t 5 1^^ (SIC A- 
RB torii so buchiruaruminiumu | 

■ tori-isogi W$&§ \± 

Screenshot: WaDokuJiten 



{ReL, Archil.) Torii n (Tor vor Shinto-Heiligtumem; gebildet aus zwei senkre^ 
chten durch zwei Querbalken verbundene HolzpfeilerrO- 

feEff}®! C i: D ^ ■ S a. ■ S ^ 3 um bzw. vor eineirt Schrein errtstarkdene 
Gtadt (wiez.B.. Ise). 
"Myojin-torir 

toagl 
(3*) 

shimagl 

S -: 




: 

i— 

4 



Hans-Jorg Bibiko hat sich um das 
Worterbuch-Projekt sehr verdient 
gemacht, als er die Genera ins 
Worterbuch eingearbeitet hat. Es 
folgen Erklarungen in runden 
Klammern. Hier werden bei ande- 
ren Eintragen die Herkunft, der 
wissenschaftliche Name in Latei- 
nisch, die Jahreszeit eines Jahres- 
zeitenwortes etc. angegeben. Den 
Umbruch von Eintragen in latei- 
nischen Buchstaben macht das 
Worterbuchprogramm leider will- 
kurlich. 

Auf die Ubersetzung folgen in 
neuen Zeilen etwaige Unterein- 
trage; hier gibt es nur einen. 

Darunter ist eine Abbildung zum 
Eintrag zu sehen. Hier wird eine 
typische Form eines Torii mit 
Erklarungen der Einzelteile vorge- 
stellt. Die entsprechenden Bildda- 
ten liegen in ihrer Rohform als 
Vektordaten vor. Sie waren z. B. 
ohne Qualitatsverluste druckbar. 
Fur diese Version des Worter- 
buches wurden sie in ein Bitmap- 
Format umgewandelt. 

Hier kann man ein wenig die 



Zukunft der Datei sehen. Derzeit 
sind nur bei einem Teil der Daten 
die Tonakzente markiert. Auch 
Bilder sind es bisher erst mehrere 
Duzend. An dieser Stelle konnte 
man noch eine Menge Arbeit 
investieren. Fur die Tonakzente 
habe ich beispielsweise mutter- 
sprachliche Studenten aus For- 
schungsgeldern eines Stipen- 
diums bezahlt, diese in die Datei 
einzuarbeiten. Nachdem das 
Stipendium ausgelaufen ist, ware 
es wichtig, fur solche Arbeiten 
andere Geldgeber zu finden. 

Das Beispiel der Daten im 
EPWING-Format zeigt ein wenig, 
wie flexibel unsere Daten sind. Es 
waren jedoch noch einige andere 
Formen denkbar, die Daten zu 
prasentieren, z. B. Umschrift in 
Romaji oder sogar in Internatio- 
nalem Phonetischen Alphabet. Die 
Daten konnten ohne zu groBen 
Aufwand zu Spezialworterbuchern 
zusammengestellt werden. 

Das Worterbuch umfasst uber 
225'000 Datensatze. Etwa lOO'OOO 
Datensatze sind Stichworter bzw. 
Lemmata; die anderen Eintrage 



sind Verwendungsbeispiele, Ablei- 
tungen oder Beispielsatze. Um die 
wichtigsten Varianten der Schrei- 
bungen abzudecken, sind fast 
300'000 Schreibungen erfasst. Uber 
250'000 unterschiedene deutsche 
Ubersetzungen sind angegeben, 
mit insgesamt fast 400'000 Vor- 
schlagen fur Ubersetzungen ins 
Deutsche. Das Projekt ist 
umfangreicher als die meisten 
anderen japanisch-deutschen Wor- 
terbucher. 

Die Arbeit an dem Projekt ist damit 
jedoch bei weitem noch nicht 
getan. Wir arbeiten weiter daran, 
die Datei auszubauen und den 
Nutzen fur die Benutzer zu steigern. 
Das Projekt hat nur in sehr ge- 
ringem Umfang Unterstutzung 
durch offentliche Einrichtungen 
erhalten. Einzelne Benutzer hatten 
auch von sich aus das Bedurfnis, 
das Projekt auch finanziell zu 
unterstutzen. Z.B. fur die Ein- 
arbeitung der Tonakzente oder fur 
die Uberarbeitung der Datei ware 
es sehr wichtig, auch Finanzmittel 
zur Verfugung zu haben. Ich hoffe, 
dass sich die Benutzer in Zukunft 
hier starker beteiligen. 



JapanLive 



September 2005 



Am meisten wunsche ich mir 
jedoch, dass es den Benutzern 
SpaB macht, mit dem Worterbuch 
zu arbeiten, dass sie finden, was sie 
suchen und dass ihnen die ange- 
gebenen Informationen weiterhel- 
fen. Es wurde mich sehr freuen, 
wenn das WaDoku-Projekt einen 
positiven Beitrag fur das Verstand- 
nis zwischen Japanern und Men- 
schen mit deutscher Muttersprache 
leisten kann. 

Links: 

1) Wadoku Download (U. Apel) 
http ://bunmei7 . hus ■ osaka- 

u . ac . j p/do wnload ■ htm 

2) WaDoku Online (U. Apel) 
http ://bunmei7 . hus ■ osaka- 
u-ac-jp:591/WaDokuJT/ 

3)Japanese-Multilingual Dictionary 
(Jim Breen) 

http ://www ■ esse ■ monash ■ edu ■ au 
/~jwb/j jmdict.html 

4) WaDoku Online (H.-J. Bibiko) 
http : // www ■ bibiko ■ de/ wadoku/ 

5) WaDoku Online (T. Latka) 
http :// wadoku ■ de 

6) Japanese Reading Tutor 
(Deutsch) 

http : //language . t iu . ac . j p/index 
g.html 

7) Popjisho 
http://www.popjisyo.com 



8) Firefox Extension Moji 
http ://moj i . mozdev. org 

9) Multilingual Project Papillon 
http://www.papillon- 
dictionary.org 




Ulrich Apel 

Dr. Ulrich Apel; geboren 2 1 . 
November 1965; 

Studium der Japanologie im 
Hauptfach an der Ludwig- 
Maximilians-Universitat Munchen; 

Nebenfachstudium von 
Volkerkunde, Deutsch als 
Fremdsprache und Soziologie; 

1995: Magister in Japanologie, 



Soziologie und Volkerkunde; 

1997- 2002: Studium am Lehrstuhl 
fur Sozialdynamik der 

Universitat Osaka bei Professor 
Mishima Ken'ichi als Stipendiat des 
japanischen Kultusministeriums; 

2002: Promotion im Fach 
Japanologie an der Ludwig- 
Maximilians-Universitat Munchen, 
Dissertation unter dem Titel: „Wie 
sich Japan fur das 2 1 . Jahrhundert 
bereit macht - Erforschung und 
Planung von Zukunft in Zeiten der 
Krise"; 

2003: Kurzzeit-Stipendium am 
Nationalen Institut fur Informatik 
(Nil), Tokyo, unter Professor 
Hashizume Hiromichi; 

2004 - Januar 2005 Postdoktorales 
Stipendium durch die Japanische 
Gesellschaft zur Forderung der 
Wissenschaft (JSPS) am Nationalen 
Institut fur Informatik (Nil), Tokyo, 
unter Professor Hashizume 
Hiromichi; 

seit Dezember 2004: zunachst 
Beratung und spater Mitarbeit beim 
Deutschkurs des Tokyoter Goethe- 
Instituts fur Mobiltelefone; 

seit Februar 2005: Gastforscher am 
am Nationalen Institut fur 
Informatik (Nil), Tokyo. 



Wadoku Jiten und ein Programmierer aus Leidenschaft: Hans-Jorg Bibiko 




Hans-Joerg Bibiko 



Mit ungefahr 225'000 Eintragen (ca. 
500'000 japanische Stichworter, 
zusatzlich kommen 350'000 ja- 
panische Namen aus Jim Breens 
ENAMDICT hinzu) ist das elek- 
tronische „Wadoku Jiten" das der- 
zeit groBte japanisch-deutsche 
Worterbuch auf dem internatio- 
nalen Computermarkt. Einer der 
klugen Kopfe dahinter ist Hans-Jorg 
Bibiko, Mitarbeiter am Max-Planck- 
Institut fur Evolutionare Anthropo- 
logic in Leipzig. Mit der Intention, 
moglichst vielen Menschen einen 
kostenlosen Zugang zu einer intel- 
ligenten Suchmaschine zu verschaf- 
fen, verbanden er und Ulrich Apel 
1999 ihre Datenbanken. Wir 
wollten wissen, wie das Projekt 



entstand und sich die Zusam- 
menarbeit gestaltet und baten 
darum den Programmierer aus 
Leidenschaft um ein Interview in 
Leipzig. 

Herr Bibiko, Sie arbeiten von 
Haus aus als Programmierer und 
Tontechniker. Woher ihre Be- 
ziehung zur Linguistik? 

Bereits nach der Schule wollte ich 
Sinologie und Japanologie stu- 
dieren, doch das wurde mir in der 
DDR verwehrt. Vor allem ost- 
asiatische Sprachen und allge- 
meine Sprachtheorie blieben aber 
stets mein Hobby. SchlieBlich 
konnte ich nach beruflichen Aben- 
teuern, wie z. B. Mitbesitzer eines 



JapanLive 



September 2005 



Tonstudios, diese Leidenschaft an 
der Universitat Erfurt zum Beruf 
machen. Dort entwickelte und 
erforschte ich multimediale Lern- 
Software fur Chinesisch und 
Japanisch. 

Sie sind als nicht-wissenschaft- 
licher Mitarbeiter am Max- 
Planck-Institut eingetragen. Wie 
kommt das und worin bestehen 
ihre dortigen Aufgaben? 

Meine Berufsbezeichnung und das 
damit verbundene Arbeitsfeld sind 
schwer zu umschreiben - aber in 
erster Linie arbeitete ich als 
Computerlinguist. Ich sehe mich 
bei Max-Planck als Dienstleister - 
je nachdem, werden verschiedene 
Projekte an mich heran getragen. 
Ich arbeite wie ein „Mittler", 
untersuche auf der einen Seite 
beispielsweise die Verwandtschaft 
verschiedener Sprachen, bin aber 
auch an der praktischen Umsetzung 
der Analysen beteiligt. 

Welche „Philosophie" steckt bei 
all dem dahinter? 

Generell macht es mir SpaG, noch 
nicht Gedachtes zu denken. Dass 
andere von unseren Ergebnissen 
dabei groBtmoglich profitieren, 
liegt mir sehr am Herzen. Ein 
Aspekt der Bedeutung der Grund- 
lagenforschung in der Linguistik 
ist, dass auf der Welt wochentlich 
Sprachen sterben. Damit naturlich 
auch kulturelle Gegebenheiten, 
sprich Filter der Realitat. Ich 
mochte meinen bescheidenen Teil 
dazu beitragen, so viel wie moglich 
davon zu bewahren. 

Und wie kamen sie auf die Idee, 
in freiwilliger Arbeit ein Japa- 
nisch-Deutsches Wdrterbuch zu 
erstellen? 

Zwei Punkte sind da ausschlagge- 
bend gewesen. Zum einen ist es 
abends nach der Arbeit ein 
schoner Ausgleich (lacht). Ja wirk- 
lich, Kanji nachzuschlagen ent- 
spannt mich ungemein. Zum ande- 
ren war ich einfach nicht zufrieden 
mit dem bereits Gegebenen. Fur 
Lernende ist es unheimlich schwer, 
an preiswerte oder gar kostenlose 
und dabei noch hochwertige Hilfs- 
mittel zu kommen. So war es mein 



Ziel, eine Suchmaschine fur mog- 
lichst viele Nutzer zu entwickeln. 
Bereits Anfang der Neunziger 
begann ich mit der Bearbeitung 
meiner Datenbank. Wie es so ist, 
erfuhr ich dann 1999 zufallig, dass 
Ulrich Apel ahnliche Ziele verfolgt. 
Wir glichen unsere Daten ab und 
Ulrich ubernahm die Leitung des 
Projekts. Ich bin sehr froh, ihn 
getroffen zu haben, denn er sah in 
der unkommerziellen Weitergabe 
seiner Arbeit ebenfalls ein Ziel. 

Nun ist „Wadoku" ein sehr 
erfolgreiches Projekt - wie schaf- 
fen Sie es, die Zusammenarbeit 
mit Herrn Apel zu koordinieren 
und sind noch andere daran 
beteiligt? 

Dies ist derzeit sehr schwierig. Wir 
beide haben rein beruflich viel zu 
tun, und das Wadoku-Projekt ist 
sozusagen ,nur' ein Hobby. Unsere 
Kommunikation lauft derzeit so ab, 
dass wir uns in einigen Abstanden 
gesammelte Eintrage zuschicken 
und am Ende eines langen 
Prozesses ins Netz stellen. Neue 
Eintrage finden wir auf ver- 
schiedenste Weise - zum einen 
konnen die Nutzer des .. Wadoku. 
org " Vorschlage ins Forum stellen 
oder uns mailen. Zum anderen 
suchen wir selbst. Diese Arbeit 
ware ohne die vielen freiwillige 
Heifer nicht moglich. Sie helfen 
uns, indem sie Eintrage bearbei- 
ten. Das Gegenlesen der Arbeiten 
ist dabei ein wichtiger Bestandteil. 
Habe ich einen Begriff, dann wird 
er von so vielen wie moglich 
gegengelesen, bevor er dann im 
Netz auftaucht. 

Welche Probleme tauchen bei 
dieser Arbeit auf? 

Eine Rolle spielt immer das 
Copyright. Man darf Begriffe nicht 
1:1 ubernehmen, was bei Worter- 
buchern allerdings kaum vermeid- 
bar ist. Doch das hebt sich durch 
die Masse unserer Informationen 
auf. Dann kommt noch hinzu, dass 
die Organisation rund um den 
Erdball nicht immer optimal ablau- 
fen kann, und, wie schon erwahnt, 
wir eigentlich beruflich ausgelastet 
sind. 



„ Wadoku" ist 2004 mit einer 
neuen Maske ins Netz gegangen 
und wird immer weiter bear- 
beitet. Welche Plane haben sie 
diesbeziiglich in nachster Zeit? 

Wir haben viel vor. Zum einen war 
der jetzige Server mit taglich 20000 
Zugriffen uberlastet, was wir noch 
ausgleichen mussen. Bis Ende des 
Jahres soil erkennbar sein, welche 
Klassenzugehorigkeit die Verben 
haben. Zudem werden Eintrage 
verbessert, zunehmend erlautern- 
de Bilder und Variantenanalysen 
eingefugt, sowie Begriffe aus der 
Vulgarsprache und Spezialworter 
mit einflieBen. Interessant ware es 
ebenfalls, die Tonangaben der 
japanischen Worter sichtbar zu 
machen. Weiterhin ist es ein 
groBes Vorhaben, aus dem „Wado- 
ku" noch ein „Dokuwa" zu machen, 
aber dies bedarf noch groBen 
Anstrengungen. 

Beschaftigen sie sich noch mit 
anderen Projekten? 

Gerade abgeschlossen ist meine 
Arbeit am „ Interactive Reference 
Tool" des .. World Atlas of Lan- 
guage Structures ", welcher 2560 
Sprachen im Vergleich typolo- 
gischer Merkmale darstellt. Dieser 
erscheint im Juli bei Oxford 
University Press. Weiterhin arbeite 
ich unter anderem am IDS (The 

Intercontinental Dictionary 

Series ), einem vergleichenden 
Worterbuch, welches vor allem die 
Verwandtschaft der Sprachen mit 
einbezieht und an einer Konzeption 
zur Langzeitarchivierung linguist- 
ischer Daten. 

Worin besteht der Lohn fur ihre 
freiwillige Arbeit? 

Mein groBter Lohn sind Mails mit 
Vorschlagen, Meinungen und vor 
allem Verbesserungen. Und inter- 
essant sind auch immer wieder 
Einladungen zu Vortragen, wie z. B. 
auf dem Japanologentag oder der 
Universitat Leipzig. Die Arbeit 
macht mir viel SpaB und was ich 
dafur gebe, kommt durch im- 
materielle Dinge reichlich zuruck. 

Ich habe in Japan eine Art des 
Lebens kennen gelernt: ^ftfe^^ 



JapanLive 



September 2005 



Das Interview mit Herrn Bibiko hat 
Maria Trunk gefuhrt. 

Maria Trunk, geboren 1984, 
kommt aus Weimar, studiert 
Japanologie im Hauptfach, Biologie 
und Journalistik im Nebenfach im 2. 
Semester an der Universitat Leip- 
zig. Ihre Leidenschaft ist Japan mit 
allem drum und dran, vor allem die 
japanische Literatur hat's ihr ange- 
tan. Sonstige Interessengebiete 
beschreibt sie mit:, „oje - einfach 
alles, deshalb ja auch der Hang 
zum Journalismus, kann mich ein- 
fach nicht entscheiden - schreiben, 
schreiben, alles, was mit schreiben 
zu tun hat". 

Frau Trunk ist unsere Deutschland- 
korrespondentin. Sie kummert sich 



darum, uns zu informieren, was in 
Deutschland in Bezug auf Japan 
passiert. 




Maria Trunk 



Japanisch verstehen, ohne Japanisch zu konnen - automatische 
Ubersetzungen japanischer Patente 

Interview mit Alan Engel, Pat err a Inc. 



Naturlich ist es hervorragend, 
wenn man Japanisch lesen, schrei- 
ben und sprechen kann. Aber nicht 
jeder braucht Japanisch so sehr, 
um die Sprache auch wirklich zu 
lernen. 



Trotzdem kann 
passieren, daB 



aber ihnen 



es 

sie einen japa- 
nischen Text bekommen, den sie 
verstehen mussen. Besonders hau- 
fig passiert dies Naturwissenschaft- 
lern und Technikern, die japani- 
sche Patente auswerten mussen. 



Bis vor einigen Jahren hatte man 
nur die Moglichkeit, einen Uber- 
setzer zu beauftragen, das Doku- 
ment zu ubersetzen. So etwas 
dauert lange und ist sehr teuer. 
Deswegen wurden oft nur die 
Abstracts ubersetzt und es konnte 
passieren, daB wichtige Teile un- 
ubersetzt blieben. 

In letzter Zeit zeichnet sich jedoch 
eine benutzerfreundlichere Losung 
dieses Problems ab: die soge- 
nannten maschinellen Uberset- 
zungen. 



Zwar sind meistens die Uber- 
setzungen allgemeiner Texte noch 
sehr lustig bis unbrauchbar - auf 
dem Gebiet der Patentuberset- 
zungen dagegen ist die Qualitat 
der automatischen Ubersetzungen 
schon recht weit fortgeschritten. 
Besonders hervorgetan hat sich die 
kleine amerikanische Firma 
Paterra. Um mehr uber dieses 
interessante Gebiet zu erfahren, 
habe ich ein Emailinterview mit 
Alan Engel, ihrem CEO gefuhrt. 




Alan Engel, CEO der amerikanischen Firma Paterra, Inc. 



Alan, 

Could you please introduce yourself to our readers. 
What is your relationship with Japan ? 

I am a Ph. D. chemist with a degree in physical bio- 
chemistry from Rockefeller University. After three years 
at Dupont as a polymer chemist, I took a post doc in the 
Japan Science & Technology Agency's ERATO projects. 
This was in 1984 when ERATO was new. My lab was 
located at Sophia University. 

Learning Japanese was a major priority during the 
postdoc. I kept all of my lab notebooks in Japanese, 
wrote some articles and a book chapter in Japanese, and 
made several presentations in Japanese. 

After the postdoc was completed in 1986, I began 
consulting in Japanese science and technology affairs. 



JapanLive 



September 2005 



This included assisting ERATO with 
recruiting non-Japanese resear- 
chers and with setting up research 
programs at universities in the U. S. 
and Canada including one at 
Stanford University. I also assisted 
the Japan Technology Evaluation 
Center (funded by the U. S. Dept of 
Commerce, NSF, NASA and others) 
in conducting expert technology 
surveys in Japan. 

My consulting company began 
providing machine translations of 
Japanese patents in 1996. We had 
accumulated an archive of 
Japanese patent applications on 
CD-ROM starting in 1993 and 
started a business of providing 
post-edited machine translations of 
documents in this archive. Our 
internal archive now contains more 
than 5 million documents. The 
service was fully automated in 1999 
and the post-editing step removed. 
Your company provides 

machine-translations of Japanese 
patents into English. What do you 
offer exactly ? 

We provide a fully automated 
service in which a client enters the 
number of a Japanese patent 
document and receives a machine 
translation in PDF format. We 
charge US$ 39 per document 
regardless of length. Each order is 
translated on the fly with a 
turnaround time of a few minutes. 

Could you please explain a little 
bit the principle of machine 
translations ? 

There is too much proprietary 
matter to provide much 
explanation. However, the quality 
of the Japanese-English diction- 
aries is key to the quality of the 
resulting translation. For this 
reason, we built all of our own 
dictionaries rather than licensing 
existing dictionaries. I also 
developed and patented (U.S. 
Patent 6,490,548) a translation 
dictionary in which Japanese- 
English translation entries are 
tagged with International Patent 
Classification (IPC) codes. This 
allows automated disambiguation 
based on technical field. 

Is Japanese different from other 
languages ? 



We haven't dealt with other 
languages. We determined that the 
market for MT of Japanese patent 
documents was sufficient to justify 
development for that application 
alone. 

Could you provide translations of 
normal documents too ? 

(If not, why not) 

We haven't developed a capability 
for nonpatent documents. 

How good is the quality of such 
translations ? 

The translations are a good 
"scanning grade" and are well 
suited to the "cut-and-cull" process 
of patentability and freedom-to- 
operate searches. 

Why don't we hear many success 
stories about machine trans- 
lations ? 

People don't want to hear of them 
and professional translators have 
been very good at laying down 
barrages of withering ridicule. We 
actually took advantage of this in 
our early years to discourage the 
appearance of competitors. I would 
occasionally post a message about 
MT on translator email lists just to 
draw fire from the more rabid 
opponents. I am convinced that 
they discouraged translators and 
developers who could have 
contributed to the field. 

How do you see the future of 
machine translations ? 

I don't participate in the 
academic/institutional side of MT at 
all so cannot really provide a good 
answer. 

Who are the 600-pound gorillas 
in the field of machine- 
translation ? 

The JPO's IPDL* is the biggest 
gorilla. (IPDL uses the Toshiba MT 
engine.) The availability of free 
machine translations removed any 
footholds for later entrepreneurs in 
this area. Our own fully automated 
service predates IPDL and 
provides a superior product so we 
have been able to retain and 
extend our clientele. 

(^Japanese Patent Office, Industrial 
Property Digital Library) 



What about Japanese or German 
companies ? 

I have no knowledge in this regard. 

Are you going to expand into 
machine translations of Chinese 
too? 

I would have to learn Chinese<g>! 
One thing that is missing is a 
reliable supply of documents. The 
JPO's consistent supply of 
documents on CD and now DVD 
allows for streamlined and low 
overhead document aquisition. A 
low cost service is not possible 
without reliable document supply. 

Would there be a different 
approach necessary ? 

I don't think so. The same approach 
should work for Chinese and 
Korean. 

Do you have any links for those 
who want to read a little bit more 
about machine-translations ? 

Start with AAMT 
( http://aamt.info/index.htm ). 

Thank you very much for 
answering my questions. 

Michael Klaus Engel 

Links: 

Alan Engel, Ph.D. 

Paterra, Inc.(InstantMT(r) machine 

translation of Japanese Patents.) 

http://www.paterra.com/ 

US 6.490.548B1 

Ein weiteres Interview mit Alan 

Engel findet sich: 

htt p : //www . inf ot oday . com/it/no 

v03/poynder.shtml 

Einfuhrung in maschinelle Uber- 

setzung 

Link zu Wikipedia 

Japanese Patent Office, Industrial 
Property Digital Library 



Auf der nachsten Seite ist zur 
Veranschaulichung eine maschi- 
nelle Ubersetzung einer japani- 
schen Patentanmeldung aufgefuhrt 
(courtesy Alan Engel): 



JapanLive 



September 2005 






[Description of the Invention] 
[Field of Industrial Application] 



*3§^[£. 7$U isT—>&it£ty(DM$&tft¥ttWRlS this invention regards nonlinear optical material of 
^tl$-ffll ,v f'^c ! ¥ ! ^-F-[-ll"^" < So phthalocyanine type compound and optical element 

which uses this. 



a. sis, mmm%W(Dmmft¥m*izmm£ti&o 



Mig(tailoring)^t^Z(t^<!f(DSpJf^fey, mm%^ 



b>m. tK'J(p-^x- b>)^I. /-KUT^-^x>m. /K'Jtrn- 
)l,m. 7^Pv7->I, * 'J7-'J>H> AfP^fSI? 

(D/OKIfflPBlcS(c«lc«c#f*o 

|ot> Agrawal ffiS Physical Review B 17 # s 776 H 

ISA. lb «* ^xh-*xKIi^, fift^fltifi, tK-;uK 



^tiblcHa-r*K#©«&tLriiTlBA<fcSo 

9&&JS. ^>£-R\ 7-tr5 L -K££fr« 70 (D#J1J^^ 
A<.7^Pi/7->t«|(**»jaf*^tA<*PbtirL^o 






IJflflslciifcfc 



[Prior Art] 

organic compound which possesses large nonlinear 
optics characteristic is utilized in optical signal 
processing , communication , integrated circuit or 
other nonlinear optical element. 

Especially, organic molecule and polymeric material , 
with large optics nonlinearity , large laser beam 
resistance , high speed responsiveness , lightness 
and design and production (tailoring ) is a possible 
thing or other strength , the possibility of application 
is high in field of nonlinear optics . 

Regarding organic conjugated system polymer , 3 rd 
nonlinearity which originate in the pi electron system 
are acquired, already, poly diacetylene and 
polyacetylenes , poly (p- phenylene ), polythiophene 
, polypyrroles , phthalocyanine and polyanilines , 
hetero aromatic type ladder polymer and copolymer 
or other many conjugated system polymer which it is 
related is reported. 

nonlinear susceptibility depends the pi -electron 
sensitively to non-localized distance and dope 
spacing of conjugation polymer structure . 

Therefore, as illustrated to Agrawal other work 
physical Review BVol. 71 , 776 page (1978) etc, it is 
easy to obtain large nonlinear susceptibility, with 
conjugated structure of small dope spacing . 

In addition, as for organic material , when it is used 
for nonlinear optical element , it is used with single 
crystal , LBfilm , guest -host mixed system , 
superlattice structure , [poorudo ] polymer or other 
form . 

There is a description below as existing report which 
it is related to these. 

In interest deep compound , there is a metal 
phthalocyanine as nonlinear optical material , it is 
known that relatively large 3rd nonlinear optics 
characteristic are shown. 

metal atom of approximately 70 transition metal , 
lanthanide , [asechinido ] is included is 
known,forming phthalocyanine and complex . 

[Problems to be Solved by the Invention] 

But, when titanyl phthalocyanine and vanadyl 
phthalocyanine or other metal phthalocyanine which 
are known from until recently are used for nonlinear 
optical element , furthermore nonlinear optics 
characteristic , heat resistance , environmental 
resistance , moldability , in addition physical property 
inutilization of element it was a insufficient . 



JapanLive 



September 2005 



D arum a san und das Daruma Museum 
Gabi Greve 



Der bekannteste Auslander 
Japan ist wohl Daruma san. 



in 



Aber selbst viele Japaner wissen 
nicht, dass er gar kein Japaner ist. 
Jeder kennt ihn vom Neujahrsmarkt 
oder von einem Fernsehauftritt, 
wenn vor einer Wahl viele Politiker 
einem grossen Papiermachee- 
Daruma ein Auge einmalen mit 
dem Wunsch, die Wahl zu gewin- 
nen. 







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Daruma-san 



acht mal rauf ' (nana korobi, ya oki) 
deutet darauf hin. Die Ausdauer 
und Kraft zur Uberwindung von 
Schwierigkeiten sind eine der 
vielen Lehren, die Daruma den 
Menschen gebracht hat. 
Er gilt als der Grunder der 
buddhistischen Zen-Sekte in China. 
Wahrend der Kamakura Periode 
(1192-1333) wurden seine Lehren 
dann auch in Japan bekannt. Heute 
nimmt er einen ganz besonderen 
Platz in der japanischen Kultur ein. 
Ich zitiere das Buch von Neil H. 
McFarland 

Daruma: The Founder of Zen in 
Japanese Art and Popular Cul- 
ture, 

„Viele Jahrhunderte lang haben die 
Zenmeister gesagt, Daruma ist 
Zen. Es erscheint mir aber besser, 
zu sagen, Daruma ist Japan. 
Beides kann man nicht so genau 
erklaren. 

Jede Aussage ist eigentlich ein 
KOAN, dessen Losung sich nur in 
der personlichen Erfahrung finden 
lasst, nicht in der rationalen 
Analyse. Auf jeden Fall kann man 
aber sagen, dass Daruma ein 
Schliissel ist zum authentischen und 



san 



Aber wer war Daruma 
eigentlich wirklich? 

Nach der Legende war er ein 
indischer Konigsohn, der sich im 5. 
Jhd. aufmachte, die Buddhistische 
Lehre in China zu verbreiten. Nach 
vielerlei Abenteuern endete er im 
Kloster Shaolin, wo er vor einer 
Felswand neun Jahre lang intensive 
meditierte. Das erklart, warum er 
keine Arme und Beine mehr hat. 
Um nicht einzuschlafen, schnitt er 
sich auch noch die Augenlieder ab 
und warf sie weg. Daraus entstan- 
den dann die Teepflanzen und 
spendeten ihm ein Getrank, mit 
dem er den Schlaf vertreiben 
konnte. 

Daruma san soil mehr als 150 Jahre 
alt geworden sein und seine Feinde 
versuchten mehrfach, ihn zu vergif- 
ten. Aber er iiberlebte alle Widrig- 
keiten und der bekannte japa- 
nische Spruch „Sieben mal runter, 



bereichernden Verstandnis von 
Japan und der japanischen Bevol- 
kerung. " 

Das Daruma Museum, eroffnet 2003 
in der Prafektur Okayama, bemuht 
sich, Besonderheiten der japani- 
schen Kultur mit Daruma als 
Wegbegleiter zu erlautern. 
Daruma-Bilder finden sich nicht nur 
auf den bekannten Papiermachee- 
Puppen, sondern auf vielen ande- 
ren Gegenstanden des Alltags und 
der Kunst, insbesondere auch der 
Volkskunst. 

Daruma-Statuen aus fast alien 
Regionen der Japanischen Keramik 
dienen der Erklarung dieses Kunst- 
bereiches. 

Es gibt Daruma san aus Lack und 
Holz, Eisen, Bambus und vielen 
anderen Materialien. Selbst Nudel- 
suppe, Tee und Bisquits in Form 
von Daruma sind vorhanden. 

Daruma auf dem Tisch, von Tellern 
und Teetassen bis Soyasaucen- 
behaltern, Essstabchen-Auflegern, 
Sakeflaschen und kleinen Saketas- 
sen - iiber all lacht, grinst oder 
starrt ein ernsthafter Daruma auf 
den Konsumenten. 




Daruma Museum 

Netsuke sind ein weiterer Bereich, in dem Daruma oft dargestellt wird. 
Meist sind die Darstellungen humoristischer Art, auch zusammen mit 
Damen und Kurtisanen ist unser Daruma zu finden. 

Das Daruma-Museum bietet auch Moglichkeiten zur Ubernachtung, da es 
sehr abseits vom Alltagsverkehr in einem idyllischen Tal gelegen ist. 
Hier in der Paradies-Hermitage GokuRakuAn konnen Sie die „Grosse 
Stille" noch im wahrsten Sinne des Wortes erleben. 



JapanLive 



September 2005 





Innenansicht des Daruma Museums 



D arum a san in vielen Vahanten 



Auf Ihren Besuch freuen sich 

Dr. Gabi Greve, Direktor 

Nach dem Studium der Medizin in 
Heidelberg (Dr. med.) das Studium 
der Japanologie und Ostasiatischen 
Kunst (Prof. Seckel). Japanaufent- 
halt zum Sprachstudium mit einem 
Postgraduierten-Stipendium des 
DAADvon 1977- 1979. 

Bernard Diekhaus, 
Stellvertretender Direktor 



Studium der Anthropologie 
Heidelberg, M.A. 



in 



Wir leben seit 1977 in Japan und 
sind 1995 nach Okayama gezogen. 



Links 

Die Gallerien des Daruma 

Museums 

http://darumasan.blogspot.com 

Das interaktive Daruma-Forum 
htt p : //groups -yahoo ■ com/group/ 
Darumasan-Japan/ 

Darumaseiten im Wikipedia 

englisch 

deutsch 



Buchveroffentlichungen 

Buddhastatuen Who is Who 

Ein Wegweiser zur Ikonografie von 
japanischen Buddhastatuen 
http://www.geocities.com/gabig 
reve2000/seckel01 .html 

Buddhistische Kultgegenstande 
Japans 

http://www.geocities.com/gabig 
reve2000/seckel02.html 




Gabi Greve 



Was bringt die nachste Ausgabe von JapanLive ? 



Die nachste Ausgabe soil sich insbesondere mit der japanischen Sprache beschaftigen*. Ich bitte um 
Themenvorschlage, der Erscheinungstermin ist voraussichtlich Mitte Dezember, der vorlaufige Redaktions- 
schluss Ende November (* Aber auch andere Themen sind herzlichst willkommen.) 

Ganz besonders lade ich die Damen und Herren Japanologen ein, uns ihr Forschungsgebiet vorzustellen. 
Bitte senden Sie einen Link zur Zeitschrift mit Hinweis auf diese Einldung an Ihre Bekannten weiter. 



Ich bitte um Ihre Vorschlage an: JapanLive@gmail.com . 



JapanLive 



September 2005 



„Meine Krimis sollen vor allem Spass machen." 
Interview mit Gert Anhalt 




GertAnhalt 

Wenn man auf dem Internet nach 
Ihnen sucht, findet man, daft Sie 
Japanologie studiert haben, 
Fernsehkorrespondent sind, 5 
Jahre in China gelebt haben und 
nun seit einiger Zeit in Japan 
leben. 1st Fernsehkorrespondent 
in Ostasien Ihr Zielberuf gewe- 
sen oder wie sind Sie es gewor- 
den? 

Was gibt es Schoneres als in einem 
fernen Land zu sitzen und den 
Leute daheim zu erzahlen, was man 
hier so vorfindet? Deswegen war 
Fernsehkorrespondent in Asien 
schon immer mein Traumberuf, 
den ich fruhzeitig abgesteuert 
habe. Aber der Weg dorthin war 
ein beschwerlicher. Schon wah- 
rend meines ersten Studienauf- 
enthaltes als DAAD-Stipendiat in 
Tokyo habe ich 1986 im ARD-Studio 
als Praktikant angeheuert. Nach 
meiner Ruckkehr 1987 habe ich 
dann beim ZDF angefangen. Als 
Freier Mitarbeiter, dann Redakteur 
und schliesslich Reporter in der 
Nachrichtenredaktion. Dann kam 
ich iiber den Umweg nach China 
im Jahre 2000 als Studioleiter nach 
Tokyo. 



Seit kurzem schreiben Sie nun 
Kriminalromane, wie sind Sie 
denn auf diese Idee gekommen ? 
Haben Sie ein Vorbild in der 
Sparte ? Welche Kriminalautoren 
lesen Sie eigentlich ? 

Krimis schreibe ich schon seit 20 
Jahren. Mein erstes Geld habe ich 
mit Kurzkrimis verdient, spater 
kamen die ersten Romane. Unter 
dem Pseudonym Raymond A. 
Scofield sind inzwischen sechs fette 
Thriller erschienen. Aber mein 
"alter ego", dieser Scofield, ist 
uberwiegend ernst, da geht es 
meist um Grosse und Ganze. 
Politische Verschworungen, fiese 
Machtintrigen und vor allem um 
China. Mit den Japan-Krimis habe 
ich mir eine Spielwiese geschaffen, 
auf der ich auch mal lustig sein 
kann. Vorbilder habe ich keine. 
Von Krimis bin ich oft enttauscht 
worden. Ich lese eigentlich nur 
Sachbucher, Geschichte und Poli- 
tik. 

Ich habe durch Zufall Ihre 
Romane in die Hand bekommen 
und sie in einem Rutsch gelesen. 
Manchmal lese ich Romane, da 
muB ich mehrere Male anfan- 
gen, bis ich endlich in die 
Geschichte einsteige. Bei Ihren 
Buchern hatte ich solche Start- 
probleme nicht. Ausserdem fand 
ich keine Logikprobleme, d.h. 
das Bild, das ich mir wahrend 
des Lesens von der Story machte, 
hatte keine Bruchstellen. 

Haben Sie beim Schreiben beson- 
ders auf die Konsistenz der 
Geschichte geachtet oder ist die 
Story einfach so aus Ihnen 
herausgeflossen ? Konnten Sie 
uns erzahlen, wie so ein Roman 
bei Ihnen entsteht ? 

Danke fur das Kompliment. Ein 
Grund fur die Konsistenz, die Sie 
erwahnen, ist vielleicht, dass ich 
die Bucher sehr konzentriert und in 
relativ kurzer Zeit schreibe. Von 
der ersten Idee bis zum Schlusssatz 



vergehen selten mehr als 3 
Monate. Da bin ich mit meinen 
Hauptpersonen mehrere Stunden 
taglich in einer Gummizelle einge- 
schlossen und lasse sie erzahlen. 
So entstehen die Romane. 

Welche Eigenschaften muB nach 
Ihrer Meinung ein guter Krimi- 
nalroman haben ? 

Jeder gute Roman sollte den Leser 
vor allem unterhalten. Immer wenn 
eine fiktive Geschichte den 
Versuch macht, belehrend zu 
werden, hat sie ihr Ziel verfehlt. 
Der Leser merkt sofort, wenn ein 
Autor sich mit seinen Recher- 
cheergebnissen wichtig machen 
will. Ich kann in den Krimis am 
Rande zwar ein paar Kleinigkeiten 
uber Japan transportieren, kann 
versuchen den Japan-fremden 
Leser auf die eine oder andere Be- 
sonderheit aufmerksam zu machen 
- aber diese landeskundliche Seite 
sollte nie im Vordergrund stehen. 
Meine Krimis sollen vor allem 
Spass machen. 

In Ihren Romanen arbeitet ein 
japanischer Detektiv namens 
Hamada Kenji, den hier sicher 
jeder "anstandige Japaner" zu- 
mindestens als "sehr seltsam" 
beschreiben wiirde. 
Diirfen wir erfahren, wie Sie auf 
diese Figur gekommen sind ? 
Wie deutsch ist er eigentlich ? 
Denken Japaner wirklich so ? 

Kein Japaner denkt so wie Hamada. 
Dafur habe ich ihn auch nicht 
geschaffen, fur sowas sind die 
japanischen Krimiautoren zustan- 
dig. Hamada ist ein Aussenseiter, 
der satirisch und ironisch uber 
"sein" Land und "seine" Landsleute 
reflektieren darf, wahrend er sich 
selbst fur den Grossten halt und 
denkbar ungeschickt seinen Fall 
ermittelt, immer in Gefahr jahlings 
in die nachste Baugrube zu sturzen. 



JapanLive 



September 2005 



Warum gibt es nur Hamada-san Die Krimis: 

und keinen chinesischen Detek- 

tiv? 



2002 

Fur China ist Raymond A. Scofield 
zustandig - aber der schreibt keine 2004 
Detektivgeschichten. 



Wie geht es nun weiter ? Schrei- 
ben Sie vielleicht gerade an einer 
neuen Folge, nach "Tote mogen 
keine Sushi" in 2002 und "Fur 
eine Hand voll Yen" in 2004 miis- 
ste die nachste Folge doch 2006 
kommen. 

Im Moment bemuhe ich mich erst 
mal, meinen Bildband "Zeit fur 
Japan" bekannt zu machen. Da 
steckt sehr viel Arbeit und viel 
Herzblut drin. Und dann muss 
Scofields neuestes Werk "Der 
Jadepalast" aus den Regalen ver- 
schwin-den. Dann erst ist wieder 
Platz fur einen neuen Hamada. Sie 
haben es erraten: er soil im 
Sommer 2006 wieder auf Ver- 
brecherjagd gehen. Mit einem 
Bandscheibenschaden. . . 

Vielen Dank fur das Interview 
und viel Spafi mit dem nachsten 
Hamada-Abenteuer. Ich warte 
schon gespannt darauf . 

Michael Klaus Engel 



Tote mogen keine Sushi. 
Knaur 62136 
Fur eine Hand voll Yen. 
Knaur 62452 



Als Raymond A. Scofield: 



1996 


Gelber Kaiser. 




Lichtenberg Verlag 


1998 


Das schwarze Tanqka. 




Lichtenberg Verlag 


1999 


Gelber Kaiser 




Knaur 61205 




Babylon 




Knaur 61920 


2001 


Die Tibet-Verschworung 




Knaur 61833 


2002 


Gelber Kaiser 




Scherz 1868 


2002 


Die Krallen des Tigers. 




Knaur 61988 


2002 


Unternehmen Hydra 




Knaur 62222 


2003 


Gelber Kaiser 




Knaur 62643 


2003 


Die Krallen des Tigers. 




Knaur 


2005 


Der Jadepalast 




Rotten und Loning 



Sachbucher 

1989 Okinawa zwischen 

Washington und Tokyo 
(Magisterarbeit) MJR 1989 

1999 Chinas nackte Fallschirm- 
springer 
Lichtenberg Verlag 

2005 Zeit fur Japan - Bilder aus 
einem unbekannten Land. 
Bucher Verlag 



Gert Anhalt ist Leiter des ZDF- 
Studios in Tokio, das fur die 
Berichterstattung aus Japan, Sud- 
Korea, Mikronesien, Taiwan und 
den Philippinen zustandig ist. 



Ein weiteres Interview mit Gert 
Anhalt findet sich unter: 

http://www. alligatorpapiere. 
de/befragung-anhalt-gert- html 




Fur diejenigen, die sich zum Thema 
japanischer Kriminalromanen wei- 
terbilden mochten, gibt es ein 
Buch, das von der OAG heraus- 
gegeben wurde. 



Robert F. Wittkamp 

Mord in Japan. Der japanische 
Krimi und seine Helden; vom 

zweiten Weltkrieg bis zur Gegen- 
wart. 

Munchen: iudicium 2002 



JapanLive 



September 2005 



Arbeiten an einer japanischen Universitat - ein Erfahrungsbericht 

Parissa Haghirian 



Meine Entscheidung nach Japan zu 
gehen ist eigentlich sehr spontan 
gefallen. Wer die Situation an Uni- 
versitaten in Osterreich und 
Deutschland kennt, weiB wie 
schwierig es fur Nachwuchswissen- 
schaftler ist, eine wissenschaftliche 
Karriere anzustreben. Viele meiner 
Kollegen entschieden sich daher 
ins Ausland zu gehen um ihre 
Arbeitsbedingungen und Karriere- 
aussichten zu verbessern. In der 
betriebswirtschaftlichen Forschung 
sind die Ziellander fur Nachwuchs- 
wissenschaftler meist die USA oder 
GroGbritannien. Fur mich als 
Japanologin war allerdings klar, 
dass Japan die interessanteren 
Perspektiven bietet, weil ich mich 
forschungsmafMg mit japanischem 
Management und interkultureller 
Kommunikation mit Japan beschaf- 
tige. 

Trotzdem war mein Jobwechsel 
weniger strategisch als zufallig. Im 
Herbst 2003 las ich wahrend eines 
Forschungsaufenthalts in Tokio 
eine Jobannonce der Kyushu 
Sangyo Universitat und war drei 
Tage spater auch schon beim 
Interview in Fukuoka. Ich wurde 
zwar fur die Stelle ausgewahlt, die 
offizielle sprich schriftliche Ver- 
standigung dauerte dann aufgrund 
eines komplizierten japanischen 
Entscheidungsprozesse noch rund 
ein halbes Jahr. 

Im April 2004 ging es dann doch 
endlich los und ich begann meine 
erste Assistant Professor-Stelle and 
der Kyushu Sangyo Daigaku (KSU) 
in Fukuoka. KSU (oder Kyusandai) 
ist eine grosse Privatuniversitat mit 
verschiedenen Fakultaten und hat 
in den letzten Jahr en versucht, 
vermehrt auslandische Wissen- 
schaftler zu engagieren. Das ist 
hier nicht so einfach, da KSU eine 
rein japanische Universitat ist, an 
der fast niemand Englisch spricht 
(oder sprechen will) . 

Ich bin daher erst die zweite west- 
liche Auslanderin und ausserdem 
die erste Frau, die an der Manage- 



mentfakultat engagiert wurde. 

Die ersten Monate hier waren sehr 
hektisch. Ich hatte davor uber 7 
Jahre kein Japanisch gesprochen 
und war zu Beginn recht nervos. 
Die meisten meiner Kollegen 
sprechen kein Englisch und ich 
musste mich in den ersten Monaten 
gleich mal an eine neue Univer- 
sitat, neue Kurse und ans tagliche 
Japanischsprechen gewohnen. 

Am ersten Arbeitstag bekam ich 
mein eigenes Buro im 10. Stock mit 
einem wunderbaren Blick auf die 
Bucht von Fukuoka. Danach begann 
der japanische Arbeitsalltag, der 
sehr viel entspannter ablauft als ich 
erwartet habe. Das wissenschaft- 
liche Personal muss in Japan nur zu 
Lehrveranstaltungszeiten an der 
Uni anwesend sein (in meinem Fall 
12 Stunden pro Woche). Der Rest 
der Zeit steht neben einigen 
administrativen Aufgaben zur 
freien (Forschungs-)verfugung. 
Auch in der Lehre wer den jedem 
Professor viele Freiheiten zuge- 
standen. Die Studenten, die an 
meinen Seminaren teilnehmen, 
kann ich selbst aussuchen. Poten- 
tielle Interessenten mussen erst ein 
Interview bei mir absolvieren, in 
dem ich feststelle, ob ich sie gerne 
im Seminar hatte. Die Interviews 
mit den Studenten sind sehr 
unterhaltsam, ich stelle wohl sehr 
ungewohnliche Fragen. Meist 
akzeptiere ich alle Anwarter. Aber 
auch das ist nicht notwendig, ich 
kann auch nur 4 oder 5 Studenten 
nehmen. Begrunden musste ich 
eine Ablehnung nicht, Studenten- 
parteien und ein Studentenparla- 
ment gibt es hier nicht. Als ich 
einmal versuche die Funktion der 
Studentenorganisationen zu erkla- 
ren, finden das die Kollegen sehr 
lustig. 

An der KSU finden alle Lehrveran- 
staltungen auf Japanisch statt. 
Englische Lehrveranstaltungen 

sind zwar in Planung, aber ich 
unterrichte erstmal nur auf 
Japanisch. Fur die meisten meiner 



Studenten, bin ich die erste 
Nichtjapanerin mit der sie in ihrer 
Muttersprache sprechen konnen. 
Das macht meine Vorlesung zum 
Thema „Einfuhrung ins 

Internationale Management" wohl 
besonders interessant. 

Die Vorlesung ist schon in der 
ersten Einheit sehr gut besucht, 
was mich gleich sehr nervos macht. 
Die ersten Versuche einen 90- 
minutigen Vortrag auf Japanisch zu 
halten sind daher recht deprimie- 
rend und lassen mich kurz an 
meiner Japan-Entscheidung zwei- 
feln. Ich kann zwar recht gutes 
Umgangsjapanisch, aber den 
Unterschied zwischen „ interna- 
tional" und „global" zu erklaren ist 
dann doch etwas anderes. Japa- 
nische Studenten sind es zudem 
nicht gewohnt Fragen zu stellen, 
sondern horen nur zu (oder surfen 
unter der Bank im mobilen Inter- 
net). 

Nach der ersten Vorlesung ist 
daher schnell klar, dass ich meine 
Abende mit Vokabellernen ver- 
bringen werde. Ich beginne auch 
mehr japanischen Text auf meine 
Folien zu packen, nur um nicht 
stundenlang durchsprechen zu 
mussen. Diese Versuche fuhren 
manchmal zur Erheiterung unter 
der Studentenschaft, denn wenn ich 
einen Fehler bei den chinesischen 
Zeichen mache, sehen den sofort 
alle 80 Studenten, nur ich nicht. 
Meist bemerke ich nur anhand des 
allgemeinen Gekichers und 
fragender Blicke, dass ich mich 
geirrt habe. 

Eigenartigerweise scheinen aber 
gerade meine hartnackigen, fur 
mich sehr frustrierenden, Versuche 
alles auf Japanisch zu machen, 
recht gut anzukommen. In der 
Evaluierung habe ich wider 
Erwarten sehr gut abgeschnitten, 
man findet mich und meine 
Vorlesung „totemo kawaii" zu 
Deutsch „sehr suss". Das ist zwar 
nicht das Feedback, das ich mir 
wunsche, aber immerhin positiv. 



JapanLive 



September 2005 



Fazit des ersten Jahres in Japan 

Das erste Jahr in Japan ist sehr 
schnell vergangen. Inzwischen 
habe ich mich an das Leben an 
einer japanischen Uni gewohnt. 
Probleme bereitet mir noch die 
hiesige Liebe zur Administration, 
die sich in Schuben von Formu- 
laren auGert. Auch meine Unter- 
richtsmethode hat sich etwas japa- 
nisiert. Ich beginne freier im Unter- 
richt zu sprechen und manchmal 
schreibe ich auch schon 
chinesische Zeichen an die Tafel 
(das ist dann meist der unter- 
haltsame Hohepunkt der Lehrver- 
anstaltung). Der Stress, den mir 
meine Lehrveranstaltungen im 
ersten Jahr bereitet haben, ist 
etwas gewichen und ich finde es 
inzwischen sehr spannend, 
Management auf Japanisch zu 
unterrichten. 

Trotz der taglichen Herausfor- 
derung den Alltag zu meistern, bin 
ich sehr froh, mich fur Japan 
entschieden zu haben. Jeder Tag ist 
spannend und ich lerne enorm viel. 
Neue Herausforderungen (ein 



erster Fachartikel und eine Konfe- 
renzprasentation auf Japanisch) 
sind auch schon bewaltigt und 
garantieren, dass ich mich auch 
weiterhin nicht langweilen werde. 




Parissa Haghirian 



Dr. Parissa Haghirian 

Geboren 1970 in Graz, Osterreich. 

Nach dem Schulabschluss ein 
kurzes Studienintermezzo in Wien. 

Ab 1991 vierjahriger Asienaufent- 
halt. 

1995 Ruckkehr nach Osterreich 
und Wiederaufnahme des Studiums 
der Japanologie an der Universitat 
Wien und des Studiums der 
Handelswissenschaften an der 
Wirtschaftsuniversitat Wien. 

Magisterabschlusse 1998 und 2000. 

Von 2000 bis 2004 Universitats- 
assistentin an der Abteilung fur 
Internationales Marketing und 
Management (Promotion 2003). 

Seit April 2004 Assistant Professor 
fur Internationales Management an 
der Kyushu Sangyo Universitat in 
Fukuoka. 

Interessensgebiete: Inter kulturelle 
Kommunikation und Wissenstrans- 
fer in Euro-Japanischen Unter- 
nehmen, Markteintritte in den 
japanischen Markt. 



Akupunktur : Handwerk mit Tradition 
Thomas Blase jewicz 



Ursprunglich kam ich vor 26 Jahren 
auf der Suche nach einem Kyudo 
(j apanisches BogenschieBen) 

Lehrer nach Japan, dem ersten und 
einzig bestimmten Abschnitt einer 
geplanten Weltreise. Aus der Reise 
ist inzwischen ein permanenter 
Aufenthalt mit "Kind und Kegel" 
geworden. Ein starkes, seit 15 
bestehendes Interesse fur 

orientalische Philosophie, bildete 
die Motivation ca. 2 Jahre nach 
meiner Ankunft in Japan eine 3- 
jahrige Fachausbildung in Aku- 
punktur, Moxibustion und Shiatsu 
zu absolvieren, die nach einem 
Staatsexamen mit dem Erwerb der 
entsprechenden Lizenzen (insge- 
samt DREI) endet, um so aus 



Interesse einen Beruf (ich denke da 
an "Berufung") zu machen. 
AnschlieBend verbrachte ich noch 
vier weitere Jahre mit "praktischen 
Studien" in einem groBen Kran- 
kenhaus und habe seit ca. 10 
Jahren eine eigene sehr kleine 
Praxis (eine der SEHR wenigen von 
westlichen Auslan-dern geleiteten). 

Die japanische Form der Aku- 
punktur im engeren Sinne kann 
sich auf eine etwa 1500-jahrige 
Tradition berufen. Trotz der relati- 
ven geographischen Nahe hat dies 
zu nicht unerheblichen Unterschie- 
den in der Entwicklung in China 
und Japan gefuhrt. Da die Chinesen 
sich jedoch wesentlich besser zu 
verkaufen wissen als die Japaner, 



wird die Welt derzeit fast aus- 
schlieBlich durch chinesische Kon- 
zepte beherrscht. Dabei werden 
nicht selten Konzepte und Techni- 
ken als TCM (traditional Chinese 
medicine) ausgeben, die ander- 
weitig entwickelt wurden. Die 
chinesische Akupunktur verwendet 
wesentlich dickere Nadeln als die 
Japanische und viele Auslander, 
auch wenn sie korperlich groBer 
und robuster erscheinen als 
Japaner, lassen sich diese dicken 
Nadeln nicht so gern gefallen. 
Daher ist es wahrscheinlich auch 
kein Zufall, dass meines Wissens 
viele (die meisten?) Akupunkteure 
in Deutschland Nadeln japanischer 
Herstellung verwenden. 



JapanLive 



September 2005 




Akupunktur in der Ming-Dynastie 
(1368-1644). 

Bibliotheque Nationale, Paris 
Die weniger bekannte Moxibustion 
bedient sich eines aus BeifuB 
gewonnenem Fasermaterials, dass 
zu kleinen Kegeln gedreht und auf 
der Haut verbrannt wird (inzwi- 
schen gibt es offenbar auch das 
Verb moxen" im Deutschen). Da 
dies naturlich zu (erwunschten!) 
Verbrennungen fuhrt, sind diverse 
Firmen mit tausenderlei Produkten 
auf den Markt gekommen, bei 
denen es nicht zu Verbrennungen 
kommt. Das ist vielleicht auch nicht 
schlecht, meines Erachtens nach 
aber nicht „richtig". Moxibustion ist 
eine Neubildung aus Moxa" 
(japanisch fur BeifuB) und combus- 
tion" und wird als solche weltweit 
offenbar haufiger verwendet als 
der entsprechende chinesische 
Begriff. 

Bei der Akupunktur werden bekan- 
nterweise dunne Metallnadeln 
(japanisch meist 0,018-0,24 mm, 
chinesisch 0,3-0,4 mm) durch die 
Haut in den Korper eingefuhrt 
(nicht bei kleinen Kindern). Die 
Metallnadeln wirken dort auf Ner- 



ven ein, wo sie zwar auch lokale 
Einflusse ausuben, die "eigent- 
liche" Wirkung jedoch hervorge- 
bracht wird, indem Signale zum 
Gehirn gesandt, dort verarbeitet 
und andere Signale wieder zum 
Korper zuruckgeschickt werden. 
Wenn Nerven ausgeschaltet wer- 
den, zum Beispiel durch Lokal- 
anasthetika, gibt es auch keine 
Wirkung mehr. Ein weithin 
bekannter Mechnismus besteht in 
einer Stimulation der Produktion 
korpereigener morphinahnlicher 
Substanzen (Endorphine etc.), die 
ihrerseits schmerzlindernd wirken. 
Meinen Patienten erklare ich die 
Wirkung der Nadeln immer gern 
so, dass die Nadeln in der Peri- 
pherie liber eine Art Telefonleitung 
das Gehirn anrufen und dort die 
zustandigen Stellen dazu auffor- 
dern, Anderungen im „K6rperpro- 
gramm", „StraGenreparaturen" 
oder „Fortbildungsseminare" 

durchzufuhren. 

Dies macht es oft verstandlicher, 
warum eine Nadel im FuB auf den 
Kopf oder den Rucken wirkt. 

Die Moxibustion stimuliert zwar 
auch die Nerven, aber der 
eigentlich interessante Effekt wird 
durch die besagten Verbren- 
nungen hervorgerufen. Diese fuh- 
ren zur thermischen Zerstorung 
von Zellen, so dass deren Inhalt 
freigesetzt wird. Obwohl es sich 
hier um korpereigenes Material 
handelt, befindet sich dieses nun 
nicht mehr wie vorgesehen 
innerhalb der Zellen. Damit wird 
ein Teil der normalen Immun- 
abwehr aktiviert, der fur den 
Abbau derartiger Produkte zustan- 
dig ist. Der gesamte Prozess ist 
eine Serie chemischer Reaktionen 
von in Wasser gelosten Substan- 
zen. Diese verbleiben naturlich 
nicht am Ort der Verbrennung, 
sondern werden uber weite 
Strecken durch den Korper 
transportiert, wo sie wiederum ihre 
jeweiligen Wirkungen hervorrufen. 
Daher werden die Wirkungen der 
Moxa Behandlung auch nicht durch 
Lahmungen oder dergleichen 
gestort und fuhren sekundar zu 



positiven Veranderungen der 

Immunlage. 

(Hinsichtlich weiterer Einzelheiten 

mochte ich auf die Fachliteratur 

verweisen. ) 

Orientalische Therapieformen 

werden oft als „ balance medicine" 
bezeichnet, weil dabei angestrebt 
wird, angenommene oder auch 
tatsachlich vorhandene Ungleich- 
gewichte zu korrigieren. Manchmal 
wird dieser Umstand auch, 
vielleicht leichter verstandlich und 
moderner so ausgedruckt, dass die 
orientalische Medizin funktionelle 
nicht aber organische Storungen (z. 
B. Knochenbruch) beheben kann. 

Ich bin davon uberzeugt, dass es 
sich hier im Sinne des Wortes um 
ein HAND-WERK handelt. Eine 
Arbeit die mit den Handen 
durchgefuhrt wird und die Funktion 
der Hande einfach nicht durch 
akademische Bemuhungen (Kopf- 
arbeit) ersetzt werden kann. 
Wahrscheinlich werden zahlreiche 
groBartige Akupunkteure der Welt 
nie bekannt werden, weil sie nie 
etwas schreiben. Als Therapeuten 
sind diese jedoch vertrauens- 
wurdiger als die zahlreichen Aka- 
demiker, die es eher im Kopf als in 
den Handen haben. 




Thomas Blasejewicz 
Praxis von Herrn Blasejewicz 

http://www.einklang.com 
Link zu wikipedia 



JapanLive 



September 2005 



Vorstellung der Mailingliste "DinJ: Deutschsprachige in Japan" 

Michael Klaus Engel 



Sie leben also in Japan. Und Sie 
vermissen kostliches Weizenbier 
oder dieses knusprige Vollkorn- 
brot, das Sie von zu Hause kennen. 
Leider gibt es keine japanischen 
Geschafte, in denen man deutsches 
Brot bekommen kann, oder doch ? 

Sie mochten einen japanischen 
Fuhrerschein und Sie wissen nicht, 
wen Sie zur Prozedur befragen 
konnten. 

Sie sind krank und konnen mit 
keinem japanischen Arzt reden. Sie 
fanden es toll, wenn Sie die 
Adresse von einem deutschsprach- 
igen Arzt bekommen konnten. 

Sie haben Gluck - es gibt eine 
Stelle, wo Ihnen all diese Fragen 
beantwortet werden; "DinJ - die 
Mailingliste der Deutschsprachigen 
in Japan". Es ist die Mailingliste, 
die Ihnen das Leben in Japan er- 
leichtern wird. Zur Zeit sind uber 
350 Leute bereit, Ihre Fragen zu 
beantworten. 

Die Liste wurde von mir im August 
1999 gegrundet, um als Anlauf- 
stelle fur hilfesuchende Deutsche, 
Osterreicher und Schweizer zu 
fungieren. Es war mir klar, daB all 
die Fragen, die man zu Japan oder 
zum Leben in Japan haben kann, 
mit hoher Wahrscheinlichkeit 
schon von anderen beantwortet 
wurde. Das Internet bot die Mog- 
lichkeit, viele Leute zusammenzu- 
fuhren und auf deren Hilfsbereit- 
schaft zu hoffen. Und es hat sich 
bestatigt - es funktioniert. Auf fast 
jede Fage, die in der Mailingliste 
gestellt wurde, hatte irgendjemand 
eine Antwort parat. Fur diese 
Hilfsbereitschaft mochte ich mich 
hier einmal sehr herzlich bedan- 
ken. Man kann ohne Ubertreibung 
sagen, daB sich die Gruppe zur 
deutschsprachigen Autoritat zum 
Thema "Leben in Japan" entwickelt 
hat. 

Im Folgenden sollen noch einige 
technische Details zur Mailingliste 
angesprochen werden. 

Wahrend man alle Nachrichten der 
Mailingliste auf der Homepage 



lesen darf, muB man sich registrie- 
ren, um selbst Fragen stellen zu 
konnen. 

Diejenigen, die sich neu registrie- 
ren, konnen allerdings nicht sofort 
Mails an die Gruppe senden. Die 
erste Nachricht muB von mir ge- 
nehmigt werden. Dies verhindert, 
daB sich Spammer registrieren und 
sofort Spam an die Liste senden. 

Fur diejenigen, die Fragen stellen 
wollen, gibt es ein paar Hinweise 
zu beachten: 

- Mails ohne Namen sind nicht 
erwunscht, 

- Streitereien sind nicht erwunscht, 
wobei eine gegenteilige Meinung 
zu einer Nachricht zu auBern, 
naturlich erlaubt ist, 



- einen Anderen vor der gesamten 
Gruppe herunterzumachen ist ab- Vielen Dank ! 
solut unerwunscht (falls man unbe- 
dingt streiten muB, bitte in per- 
sonlichen Mails) 

- "chatting" nervt die meisten Mit- 
glieder, zum chatten bitte auf 
personliche Mails umsteigen. 

Erwunschte Themen fur Nach- 
richten oder Fragen an die Gruppe 
haben mit Japan zu tun, hin und 
wieder sind off-topic Mails aber 
kein Problem. 

Man kann Mitglied der Gruppe 
werden, indem man eine Email an 
dinj -subscribe@yahoogroups . com 
sendet (Fall a). 

Man kann sich auch auf der Home- 
page eintragen (Fall b). Dort hat 
man auch die Moglichkeit, ver- 
schiedene Einstellungen selbst zu 
tun. Man kann entscheiden, ob man 
jede Mail einzeln, eine Sammelmail 
jeden Tag bekommen oder alle 
Mails nur auf der Homepage lesen 
mochte. Mochte man sich nicht bei 
den Yahoogroups registrieren und 
trotzdem diese Anderungen haben, 
muss man mich bitten, dies zu tun. 



werden, jede andere Mail wird 
automatisch abgewiesen. 

Gruppen-Mailadresse: 
dinj @y ahoogroups ■ com 

Bei Yahoogroups registrierte Mit- 
glieder (Fall b) konnen auch direkt 
von der Homepage posten. 

Wer sich unsicher fiihlt oder 
noch andere Fragen hat, schrei- 
be mir. 

Ich habe nun auch ein paar Bitten: 
- Falls Sie noch nicht Mitglied 
sind, bitte schlieBen Sie sich 
uns an. 

Informieren Sie Ihre Bekannte 
und Freunde in Japan uber 
DinJ. 

Helfen Sie mit, indem Sie Fra- 
gen beantworten. 




Dinjapan@gmail ■ com 

Mails an die Gruppe konnen nur 
von registrierten Adressen gesandt 



Michael Klaus Engel 

geboren 1958 in Kirchheimbolan- 
den (Pfalz) 

Studium der Diplomchemie an der 
Universitat Tubingen, 

Promotion an der Ecole Superieure 
de Physique et Chimie Industrielles 
(Paris) und an der Universitat 
Tubingen, 

1993-99 Gastwissenschaftlicher bei 
2 japanischen Chemiefirmen 

seit 1999 R&D Manager in einer 
japanischen Chemiefirma. 

1999 Grundung der Mailingliste 
"DinJ: Deutschsprachige in Japan". 

Interesse: alle Arten von Wissen- 
schaft, Lesen, Musik, Sprachen 



JapanLive 



September 2005 



Quark selber machen - ganz einfach 
Marga Dinkel 



Es ist schon etwas langer her, daB 
auf der Mailingliste DinJ vom Quark 
und vom Quarkmachen die Rede 
war. Ich hatte damals gesagt, daB 
es u.a. bei Den-en Quark von 
Danone gibt. Mittlerweile ist aber 
der Verkauf eingestellt (war wohl 
nicht der Renner bei dem Preis). 

Ich erinnere mich noch sehr gut 
daran, daB meine Mutter immer 
selbst Quark gemacht hat und zwar 
ganz einfach indem die Milch, die 
wir zuviel hatten, in einem Topf ein 
paar Tage stand 

und das Ergebnis war wunderbarer 
Quark. 

So einfach ist das hier in Japan 
naturlich nicht ganz, denn es gibt 
keine unbehandelte Milch (auBer 
vielleicht in Hokkaido direkt beim 
Bauern und das auch nur, wenn die 
direkt verkaufen durfen. Bestimmt 
spricht da irgendeine Hygienever- 
ordnung dagegen). 



Dennoch, es ist mir jetzt nach eini- 
gen Versuchen mehrfach gelun- 
gen! 

Man benotigt die am wenigsten 
behandelte Milch, namlich die, die 
nur bis 75 Grad erhitzt wird (auch 
HTUH beschriftet) die gibt es zwar 
nicht in jedem, aber in gut sor- 
tierten Supermarkten, auf jeden 
Fall auch bei Co-op. Einfach die 
geoffnete Milchtiite an einem nicht 
zu hellen Ort (nicht am Fenster!) in 
die Kuche stellen. Je nach Zimmer- 
temperatur 3-5 Tage. Dann ist das 
ganze schon ziemlich dick gewor- 
den, hat etwa die Konsistenz von 
Joghurt. Jetzt muB man in einem 
Topf ganz vorsichtig erhitzen. 
Dabei flockt die Milch, d.h. es 
trennt sich Molke und Quark. Bei 
der Erhitzung kann man die Konsis- 
tenz, die man erzielen will, steuern. 
Starker erhitzt wird der Quark sehr 
fest, etwas wie Huttenkase (cottage 
cheese). Das Ganze jetzt in einem 



mit einem Tuch ausgelegten Sieb 
abtropfen lassen. 

Aus einem Liter Milch erhalt man 
ziemlich genau 250 g Quark und 
750 ml Molke (die schmeckt, gut 
gekuhlt, so kostlich, hmmm) 

Ein ganz wichtiger Hinweis: Das 
GefaB, in dem man die Milch 
ansetzt, niemals mit Folie ver- 
schlieBen! Da wird die Milch sauer! 
Auch zuviel Licht oder direkte 
Sonne beeintrachtigen das 
Ergebnis. Der beste Quark war 
wirklich der in der Milchtiite direkt 
angesetzte. 

Jetzt muB keiner mehr nach Quark 
darben. Und das ganz ohne Zu- 
satze. So aufwendig ist es nicht und 
wenn man die Milch vielleicht kurz 
vor Verfalldatum im Sonder- 
angebot kaufen kann, steht auch 
einem schonen Kasekuchen nichts 
mehr im Wege. Gutes Gelingen 
und guten Appetit. 




Benoetigte Milch 



Nur kurz erhitzt 



Schmackhaftes Ergebnis 



JapanLive 



September 2005 



Nun ja, Fahrradfahren ist ja nicht 
einfach Fahrradfahren in Japan. Es 
gibt bestimmte Grundregeln zu 
beachten. Das Fahrrad muss mog- 
lichst klein sein und der Sattel so 
niedrig wie moglich hangen. Man 
schrumpft eben noch mal etwas, 
wenn man hier Fahrrad fahrt, was 
ja nicht unbedingt ein Nachteil sein 
muss. Ein Englischlehrer bot mir 
nun sein altes Fahrrad an und ich 
dachte, bei diesem Preis muss ich 



Drahtesel zwischendurch 
Anette Eckard 

einfach zuschlagen. AuBerdem war 
er Auslander und wurde sicherlich 
nicht mit diesen Minidingern 
herumflitzen. 

Nachdem ich bereits eingewilligt 
hatte, musste ich erfahren, dass die 
Sache einen Haken hat: Er wurde 
15 Kilometer vor Osaka wohnen 
und ich musse das Fahrrad dann zu 
mir nach Hause fahren. Fahrrader 
sind hier in den offentlichen Ver- 
kehrsmitteln nicht erlaubt. Trotz- 



dem scheute ich das Abenteuer 
nicht und machte mich gestern auf 
den Weg, das besagte Ding 
abzuholen. Leider erwischte ich 
einen Tag an dem es in Stromen 
goss. Nun ja, aber es ging nur 
gestern. So trafen wir uns und er 
uberreichte mir sein Fahrrad. In 
diesem Moment fragte ich mich, 
wie ein Auslander mit einem Aus- 
maB von 1,80 Metern auf so einen 
Minidrahtesel nur passen konnte. 




Hatte ich mal vorher gefragt! 
Netterweise half er mir auch dabei, 
den Sattel hoher zu schieben, was 
aber auch nicht unbedingt die 
Rader und den Rahmen vergros- 
serte. Es erinnerte mich sehr stark 
an mein erstes richtiges Fahrrad 
ohne Stutzrader. Knallorange mit 
Achtziger Lederfransen an den 
Lenkergriffen. Wie alt war ich 
damals bloB? Ich ergab mich so 
meinem Schicksal, nun mit einem 
ahnlich lacherlich kleinen Fahrrad 
durch die Gegend zu gurken und 
machte mich so im stromenden 
Regen mit meinem Miniding und 



einem durchsichtigen Plastikregen- 
schirm fur 500 Yen auf den Weg 
nach Hause. 

Eigentlich schien der Weg ganz 
einfach. Ich musste einfach nur den 
S-Bahn-Schienen folgen, die ich 
gleich nach funf Minuten verloren 
hatte. Lag wahrscheinlich an 
diesem verfluchten Regenschirm 
mit dem ich uberall angestoBen 
bin. So schlangelte ich mir den 
Weg liber die rutschigen Burger- 
steige Osakas nach Hause - man 
fahrt hier nicht auf der StraBe- und 
folgte brav den StraBenschildern 
und irgendwann konnte ich mich 



auch auf meinem Stadtplan wieder 
lokalisieren. War eigentlich alles 
ziemlich einfach. Kam zuhause an. 
Ich war nur vollkommen durch- 
nasst. Hatte den Regenschirm 
irgendwann weggepfeffert. Nass 
wurde man sowieso. Und ich 
konnte meine Wirbelsaule kaum 
noch aufklappen. So fahre ich jetzt 
mit meinem Kinderfahrrad durch 
die Gegend. 

Fahrradfahren ist eigentlich eines 
der wenigen Dinge in Japan, wo 
alles erlaubt ist: auf den Burger- 
steigen voller Fahrradfahrer, FuB- 
ganger und Regenschirmen. Dort 



JapanLive 



September 2005 




lebt die pure Anarchie. Von rechts 
links oben unten gebremst gerast 
iiber Kullideckel, rote Ampeln und 
verlorenes Kinderspielzeug. Doch 
keiner regt sich auf ... alles ist 
erlaubt. Selbst wenn man bei rot 
iiber die Ampel fahrt und an der 
anderen StraBenseite schon die 
Bullen auf Fahrradern lauern. Tja, 
so konnte ich meinen Auslander- 
bonus ausspielen. Blondinen 
sprechen kein Japanisch, so lasst 
man diese auch ungeschoren iiber 
ne rote Ampel fahren. 

So radle ich nun taglich mit 



qualmenden Bremsklotzen und 
angstdurchnasster Bluse auf den 
StraBen Osakas. Mittlerweile habe 
ich mich daran gewohnt. Auch 
daran, dass hier Linksverkehr 
existiert, obwohl angeblich des 
ofteren im Radio vor einer blonden 
Geisterfahrerin gewarnt wird. 
Wieso im Namen aller friedlichen 
Kuckucke gibt es den Linksverkehr 
auf dieser Welt? Ich werde es 
niemals verstehen. 

Anette Eckard 



M.A. Ostasienwissenschaften Ruhr- 
Uni Bochum, 31 Jahre, derzeit 
fahrradfahrend in Osaka, Japan. 

Nach dem Studium der Ostasien- 
wissenschaften in Hamburg, Seoul 
und Bochum, nach 2 Jahren in 
einem Ubersetzungsburo in Diissel- 
dorf und 3 Jahren als Mitarbeiterin 
in der Botschaft der Republik Korea 
in Berlin bin ich nun in Osaka, 
Japan gelandet. Hier arbeite ich als 
Deutschlehrerin und hoffe auf 
einen Job im Kantogebiet, um in 
die Nahe des Wohnortes meines 
Freundes zu kommen. 



Kalender 

23V24. Sept. Wft (L®&As) 
Herbstsonnenwende, wir sind mit- 
ten in der Woche der buddhis- 
tischen Friedhofsbesuche (t(£^ 
I>t5vL). 

8./9. okt. mm (frtjz) 

schickt die erste Kalteperiode. 



23./24. Okt. Hft (ZoCo) 
bringt den ersten Frost, aber auch 
den Herbst mit farbigem Laub und 
Mandarinen. 

7./8. Nov. \l%> Q0r>h6) 
verkiindet die Ankunft des Win- 
ters mit kaltem Wind aus Sibirien. 

23./24. Nov. /bW (UcrtfrO) 
bringt ersten Schnee auf den Ber- 



gen und im Nor den Japans. 

7./8. Dez. XW GfeVvtiTO) 
sollte eigentlich viel Schnee 
bringen, aber... 

21./22. Dez.^M Q&C) 
Wintersonnenwende, Japaner ge- 

ben an diesem Tag ffi^($>^) zu 
ihrem Badewasser und essen SM 



JapanLive 



September 2005 



Riickblick auf Japan 
Interview mit Dr. Klaus Matthes 




Dr. Klaus Matthes 

Was hast Du in Japan gemacht? 

Ich war Letter des Wissenschafts- 
und Umweltreferats an der Deut- 
schen Botschaft in Tokyo. Meine 
wichtigste Aufgabe bestand darin, 
die traditionell guten Beziehungen 
in der Wissenschaft zu erhalten und 
weiter zu fordern und gegenuber 
Deutschland die aktuellen Entwick- 
lungen in Japan verstandlich darzu- 
stellen. Als besondere Aufgabe 
hatte ich mir vorgenommen, ein 
Deutsches Haus in Tokyo - insbe- 
sondere als Kultur- und Wissen- 
schaftszentrum - zu realisieren. Die 
Vorarbeiten hierzu sind erfolgreich 
angelaufen und ich hoffe, dass 
dieses fur die deutsch-japanischen 
Beziehungen wichtige Projekt in 
den kommenden Jahren realisiert 
wird. 

Wie lange warst Du eigentlich in 
Japan ? 

4 Jahre und 3 Monate 

Wie steht Japan technologisch 
und wissenschaftlich im Ver- 
gleich zu Deutschland und den 
USA? 

Japan gait in der Vergangenheit als 
technologisch stark, aber wissen- 
schaftlich schwach. Eine Korrektur 
dieser Einschatzung ist aber langst 



uberfallig; Japan ist heute sowohl 
technologisch als auch wissen- 
schaftlich stark; die Fakten spre- 
chen fur sich: 

- In den letzten 20 Jahren konnte 
Japan die Anzahl seiner Forscher 
verdoppeln. Das Potenzial for- 
schender Wissenschaftler ist damit 
inzwischen 3mal groBer als in 
Deutschland. Auf 10.000 Einwohner 
kommen mittlerweile 60 Forscher, 
in Deutschland liegt die Ver- 
gleichszahl bei ca. 30, in den USA 
bei 45. 

- Die Anzahl japanischer wissen- 
schaftlicher Veroffentlichungen lag 
im internationalen Vergleich im 
Jahr 1980 noch an 4. Stelle deutlich 
hinter Deutschland; inzwischen 
nimmt Japan einen 2. Platz direkt 
hinter den USA ein. 

- Die technologische Handelsbilanz 
Japans, die bis zu Beginn der 90er 
Jahre traditionell negativ war, ist 
inzwischen auf eine Relation 
Export/Import von 2,6 gestiegen, 
wahrend Deutschland weiterhin bei 
ca. 0,6 verharrt. 

- Aus Japan werden inzwischen 
weltweit so viel Patente angemel- 
det wie insgesamt aus den USA. 
Japan ist nach den USA zum welt- 
weit zweitgrofMen Lizenzgeber 
aufgestiegen, so dass die Zeit der 
fruheren Abhangigkeit vom west- 
lichen know-how vorbei ist. 

Wo und was konnte Deutschland 
von Japan lernen? 

In Deutschland wird - gerade in 
diesem Jahr - viel uber Inno- 
vationsinitiativen geredet, in Japan 
wird dagegen Innovationspolitik 
seit langem konsequent gemacht. 

Die neuest Gesamtstatistik Japans 
fur den Bereich Forschung (HH-Jahr 
2002/3) zeigt, dass Japan erneut 
seine volkswirtschaftlichen Auf- 
wendungen fur Forschung und 
Technologie auf jetzt 3,35 % des 
BSP gesteigert hat und damit alle 
groBen Industrielander hinter sich 



lafM. Zu Beginn der wirtschaftlichen 
Stagnation vor 10 Jahren lag dieser 
Anteil noch weit unter 3%. 
Besonders stark stieg seit 1990 mit 
iiber 50% der offentliche For- 
schungshaushalt . 

Japans Staat und Wirtschaft haben 
somit, trotz hoher Staatsverschul- 
dung und geringerer Unterneh- 
mensertrage, mit hoher Prioritat 
auf eine klare Innovationsstrategie 
gesetzt und die hierzu notwen- 
digen Budgetmittel auf den Aus- 
baus des inzwischen beachtlichen 
Forschungspotentials gerichtet. 

Dass es trotz der wirtschaftlich 
schwierigen Situation Japans mog- 
lich war, einen immer groBer 
werdenden Anteil des offentlichen 
Haushaltes fur Forschung und 
Technologie bereitzustellen, 

schreibe ich auch der Tatsache zu, 
dass das BewufMsein fur die Bedeu- 
tung einer aggressiven Innova- 
tionspolitik auf hochster politischer 
Ebene durch die Einrichtung eines 
monatlich tagenden Strategierates 
(Council for Science and Techno- 
logy Policy)- unter Vorsitz des 
Premierministers mit Beteiligung 
betroffener Ressortleiter und fun- 
render Vertretern der Wirtschaft 
und Wissenschaft - mit einer kon- 
tinuierlichen Reformdiskussion zum 
Erhalt und Ausbau technologischer 
Fuhrungsposi-tionen auf wichtigen 
Gebieten in Japan sehr ausgepragt 
ist. So etwas gibt es weder in 
Deutschland noch in den USA. 

Was Japan von Deutschland ? 

Japan orientiert sich seit der Meiji- 
Zeit sehr stark an westlichen Vor- 
bildern, hatte aber dennoch viele 
seiner grundlegenden charakter- 
istischen Eigenschaften aufrechter- 
halten. Seit dem Platzen der 
bubble-Wirtschaft ist allerdings 
eine allgemeine Verunsicherung 
eingetreten und japanische Eigen- 
schaften, die einst als Grund fur 
den wirtschaftlichen Aufstieg 
Japans galten, werden zunehmend 



JapanLive 



September 2005 



als Hindernis fur kunftige Anpas- 
sungserfordernisse angesehen. So 
werden Reformen im Bildungs- und 
Forschungssystem derzeit fast aus- 
schlieBlich nach angelsachsischen 
Vorbildern angestrebt. 
Auch in Deutschland schaut man 
zwar haufig in Richtung USA, aber 
die Reformdiskussion ist in Deut- 
schland m.E. wesentlich autono- 
mer. Auch Japan sollte kunftig 
selbstbewusster und eigenstan- 
diger seine Zukunftskonzepte ent- 
wickeln. 

Was hat Dich an Japan beein- 
druckt 

Viel zu viel, als dass ich dies in 
wenigen Worten sagen konnte. 
Neben vielen sichtbaren 

angenehmen Dingen im alltag- 
lichen Leben, wie z. B. 

1. den angenehmen zwischen- 
menschlichen Beziehungen, die 
sogar bei extremster Menschen- 
dichte in Tokyos offentlichen Ver- 
kehrsmitteln - fur einen Westler 
fast unglaublich - aggressionsfrei 
bleiben. 

2. die Sorgenfreiheit im Alltag vor 
kriminellen Machenschaften, die 
man besonders schatzt, wenn man, 
wie ich, 5 Jahre in Brasilien gelebt 
hat. 

ist dies vor allem die gelassene 
Ideologielosigkeit der Menschen, 
die sich so wohltuend auf ein 
friedliches Miteinander und Tole- 
ranz gegenuber Andersdenkenden 
auswirkt. 

Was ist Dir negativ aufgefallen? 

Die haufig geringe Hilfbereitschaft 
der Menschen gegenuber Unbe- 
kannten. Dass die Menschen sogar 
in akuten sichtbaren Notfallen 
vorbeilaufen als ob sie nichts 
bemerkten, hinterlafM bei mir 
einen bitteren Beigeschmack. 

Wenn Du Consulting fur Japan 



machen solltest, was wiirdest Du 
voschlagen ? 

Ich wurde den Auftrag ablehnen, 
da ich mir nicht zutraue, einen 
wirklich brauchbaren und auch 
realisierbaren allgemeinen Rat zu 
geben. 

Bitte gib uns Deinen Japan- 
Eindruck in 3 Satzen 

Der Aufenthalt in Japan zahlt fur 
mich zur wertvollsten Zeit meines 
Lebens, nicht nur wegen der sehr 
angenehmen Lebensumstande und 
der interessanten Dinge, die ich in 
Japan sehen und erleben durfte, 
sondern vor allem auch, weil die 
Erfahrungen in Japan fur mich ein 
wichtiger Spiegel fur mein eigenes 
Leben und unsere gesellschaft- 
lichen Verhaltnisse in Deutschland 
sind. 

Die Geschwindigkeit der gesell- 
schaftlichen Entwicklung in Japan 
ist beeindruckend; sie ist so hoch, 
dass man sogar in den gut 4 Jahren, 
die ich in Japan war, die 
Anderungen laufend spuren und 
sehen konnte, nicht nur anhand der 
technisch sichtbaren Dingen, wie z. 
B. die Ausbreitung der Handy kultur 
oder die Dynamik der Stadt- 
entwicklung, sondern auch der 
Wandel der gesellschaftlichen 
Verhaltnisse in Familie, Beruf und 
Freizeitverhalten. 

Eine der spannendsten Ent- 
wicklungen fur mich ist die inter- 
national Positionierung Japans, 
insbesondere im Hinblick auf seine 
asiatischen Nachbarstaaten, aber 
auch global, da Japan genauso wie 
Deutschland sich nach dem letzten 
Weltkrieg auf dem Weg eines 
kontinuierlichen Normalisierungs- 
prozesses befindet, der sowohl zu 
stabilen friedlichen Strukturen als 
auch zu wirtschaftlich prospe- 
rierenden Verflechtungen fuhren 
sollte. 



Was wirst Du in Zukunft tun? 

Ich werde zuruckkehren ins 
Ministerium fur Bildung und 
Forschung (BMBF) und dort Auf- 
gaben im Zusammenhang mit der 
Entwicklung internationaler For- 
schungskooperationen uberneh- 
men. 

Darf ich eine persdnliche Frage 
stellen: was nimmst Du aus 
Japan mit zuriick ? 

Eine japanische Steinlaterne, mit 
der ich eine kleine japanische Ecke 
in unserem Garten einrichten 
mochte und viel Washipapier mit 
hubschen Motiven, die meine Frau 
zum Bekleben von Teekisten ver- 
wenden wird. 

Kannst Du Neuankommlingen 
einen Ratschlag geben ? 

Auf jeden Fall sollte jemand, der 
sich ernsthaft mit Japan beschaf- 
tigen will, Japanisch lernen, weni- 
ger um es beruflich einzusetzen - 
dafur ist die Sprache zu kompliziert 
und man erzeugt wahrscheinlich 
viele peinliche Situationen, ohne es 
selbst zu merken - sondern um 
AufschluB liber die japanische 
Denkweise zu erhalten. Die 
Beschaftigung mit Kanjis hat sich 
bei mir zu einem schon fast 
leidenschaftlichen Hobby ent- 
wickelt. 

Wer wird Dein Nachfolger sein ? 

Mein Nachfolger heifM Thomas 
Schroder und ist wie ich Mit- 
arbeiter des deutschen Bildungs- 
und Forschungsministeriums. 



Wir danken Dir fur die 
interessanten Kommentare und 
wiinschen Dir bei Deiner neuen 
Arbeit viel Erfolg und viel Spafi. 

Michael Klaus Engel 



JapanLive 



September 2005 



HI^MitM Oder "Auslander fiir Alles" 
Interview mit Sarah Stark 




Sarah Stark 

Das Interview wurde bereits im Mai 
2005 gefuhrt. 

Sarah, 

aus Deinen Nachrichten an die 
DinJ-Mailingliste weifl ich, daft 
Du in Japan, nicht in Tokyo, 
sondern in Ibaraki-ken lebst, 
Japanisch kannst und nicht an 
einer Uni arbeitest. So eine Kom- 
bination ist ja doch etwas unge- 
wohnlicher. 

Hast Du Japanologie studiert und 
was machst Du denn in Ibaraki? 
Erzahl' mal bitte etwas von Dir 
und Deiner Beziehung zu Japan 

Ich und meine Beziehung zu Japan? 
Hort sich an, als sei ich mit Japan 
verheiratet A _ A 

Nun denn, ja ich habe Japanologie 
studiert, zwei Jahre in Trier, dann 
ein Jahr in Tokyo (Tokyo Gakugei 
Daigaku) und dann zwei Jahre in 
Edinburgh, Schottland, wo ich auch 
meinen Abschluss gemacht habe. 
Danach bin ich direkt hier nach 
Ibaraki gekommen, genauer ge- 
sagt nach Moriya. 

Das ist eine Stadt mit 50000 Ein- 
wohnern und wachsend. Momentan 
wohl eher noch weniger bekannt, 
aber ab August gibt es eine Bahn- 
linie, die von Akihabara nach Tsu- 
kuba fahrt, und mitten drin liegt 
besagtes Moriya 

Moriya ist eine kleine Stadt auf dem 
Land, aber wir haben eine grosse 
Bierbrauerei hier (Asahi) und des- 
halb bin ich hier. Vor ca. 15 Jahren 
hat die Asahi Brauerei die Stadt 



Moriya gefragt, ob sie nicht eine 
Partnerstadt in Deutschland wollten 
- da Asahi seinen Hopfen u.a. aus 
der Hallertau bezieht, einem 
Hopfenanbaugebiet nordlich von 
Munchen. So ist dann im November 
1990 die Stadtepartnerschaft zwi- 
schen Moriya und der Stadt Main- 
burg entstanden. Da aber naturlich 
die Beamten hier im japanischen 
Rathaus kein Deutsch sprechen bin 
ich hier 

Das ganze lauft uber das JET Pro- 
gramm. (ich zitiere von der Home- 
page der Japanischen Botschaft 
Berlin: "Japanische Austausch- und 
Unterrichtsprogramm JET (Abkur- 
zung fur "Japan Exchange and 
Teaching Programme") will das 
gegenseitige Verstehen zwischen 
Japan und anderen Landern, ein- 
schlieBlich der Bundesrepublik 
Deutschland, fordern. 

Schwerpunkte des Programms sind 
die Intensivierung des Fremd- 
sprachenunterrichts in Japan und 
die Forderung des internationalen 
Austauschs auf lokaler Ebene. 
Diese Ziele sollen erreicht werden, 
indem jungen Hochschulabsol- 
venten die Moglichkeit geboten 
wird, in regionalen Regierungs- 
behorden und staatlichen oder 
privaten Schulen zu arbeiten 

(mehr unter http://www.de.emb- 
japan.go.jp/austausch/jet.html ). 

Vor drei Jahren habe ich ein 
Bewerbungsgesprach in der 
Japanischen Botschaft in Berlin hin- 
ter mich gebracht, einige Wochen 
spater kam dann auch schon ein 
Anruf "Hallo, Du kommst nach 
Moriya" - damals wusste ich natur- 
lich gar nicht wo das ist, und 
spontan fielen mir auch nur "die 
Minen von Moria" aus dem Herrn 
der Ringe ein 

aber "mein" Moriya ist dann doch 
etwas freundlicher und mehr Licht 
gibt es auch als in den Minen von 
Moria. 

So bin ich also hier in Moriya seit 
drei Jahren ein CIR (Assistent(in) 
fiir die Koordination internationaler 



Beziehungen oder auf Japanisch: 
"kokusai-kouryu-in") - hort sich 
jetzt etwas hochtrabend an. 

Eigentlich sollte auf meiner Visiten- 
karte besser "Auslander fiir alles" 
stehen, denn ich mache wirklich 
alles und habe hier so viele tolle 
Erfahrungen gesammelt, hier nur 
eine Auswahl: 

- ich habe eine Schaumkusswurf- 
maschine gebastelt und beim Pra- 
fekturfest sarariiman mit Windbeu- 
teln beworfen 

- ich habe fiir die Erdbebenopfer 
von Niigata Wurstchen gebraten 
und verkauft 




- Ich organisiere einen Kochkurs in 
dem ich Deutsche Kuche vorstelle, 
jeden Monat vier verschiedene Ge- 
richte (jetzt gerade gibt's naturlich 
weissen Spargel!) 

- ich habe eine Ubersetzungswerk- 
statt gegriindet in der ich deutsche 
Kurzgeschichten von u. a. Wladimir 
Kaminer, Sarah Schmidt etc mit 
meinen Deutschschulern ins Japa- 
nische iibersetzt habe, 

- ich habe vor knapp hundert 
Leuten "Heidenroslein" und "Am 
Brunnen vor dem Tore" gesungen, 

- ich habe eine Relais-Ubersetzung 



JapanLive 



September 2005 




Auch das Fernsehen interessiert 
sich fiir den Kochkurs. 

(in etwa wie Stille Post, immer 
zwischen Deutsch und Japanisch 
hin und her ubersetzend) organi- 
siert, die im Juni hier im Rathaus in 
Moriya ausgestellt wird, 

- in meiner "Book Group" lese ich 
zusammen mit ca 5 Hausfrauen 
"auslandische Literatur" (auf Japa- 
nisch, ein Buch pro Monat) wir 
treffen uns dann und diskutieren 
liber das jeweilige Buch 

- auf einer Geschaftsreise nach 
Deutschland durfte ich eine 
Stadtfuhrung simultan ubersetzen 
und bin von Begriffen wie 
Pechnase und Henkerbeil uber- 
rascht worden 

Was mir gefallt, ist, dass der Job 
viel Spielraum lasst und man sich 
selbst einbringen kann. Mein Japa- 
nisch hat sich in den drei Jahren so 
verbessert, dass ich jetzt angeblich 
auch ein bisschen im Ibaraki- 
Dialekt spreche. 

Wie lange bleibst Du noch ? Wie 
gefallt es Dir dort? 

Mir hat es hier in Moriya sehr gut 
gefallen - aber meine Zeit ist abge- 
laufen. Meinen Vertrag kann ich 
nicht verlangern und mein/e Nach- 
folger/in kommt Anfang August. 
Vielleicht verlangert die Auslan- 
derbehorde ja mein Visum, so dass 
ich zur Eroffnung des Tsukuba 
Express noch hier bleiben kann.... 

Aber bisher weiss ich noch nicht, 
wo's danach hingeht, aber 
vielleicht hat ja ein Leser zufallig 
einen interessanten Job? Ich bin fur 
alles offen! 

Ist Deine Arbeitsspache eigent- 
lich Japanisch oder Englisch ? 
Wie klappt die Kommunikation ? 



Gibt es Probleme, obwohl Du gut 
Japanisch kannst ? 

Ja, ich kann Japanisch, und meine 
Arbeitssprache ist zu 99% Japa- 
nisch. Mai abgesehen von den 
Telefongesprachen aus unseren 
Partnerstadten oder Anfragen von 
in Moriya ansassigen Auslandern 
spreche ich ausschliesslich Japa- 
nisch. 

Okay, in meinem Deutschkurs 
spreche ich naturlich Deutsch, aber 
das zahlt nicht wirklich, oder? 

Mit der Kommunikation habe ich 
eigentlich keine Probleme - wenn 
es Probleme gibt, dann sind das 
wohl eher zwischenmenschliche 
Probleme, weil man sich nicht so 
gut versteht oder ein paar Missver- 
standnise hier und da. Nichts was 
in Deutschland nicht auch passie- 
ren wurde 

Obwohl sicher sehr personlich, 
erlaube mir bitte zu fragen, ob 
Du guten Kontakt zu Deiner japa- 
nischen Umgebung bekommen 
hast. Oder hast Du das Gefiihl, 
daft der Kontakt zu anderen Aus- 
landern einfacher ist. 

Mein Freundeskreis hier in Japan 
besteht eigentlich fast ausschliess- 
lich aus Japanern - hier in Moriya, 
auf dem Land, wohnen ja auch 
kaum Nicht-Japaner. Naturlich habe 
ich ein paar nicht-Japanische 
Freunde, darunter ist aber kein 
Deutscher (die Freundinnen, die in 
Kyushu und Okinawa wohnen, 
zahlen wohl nicht, oder?), also 
reden wir meist auch auf Japanisch, 
oder auch mal auf Englisch. 




Sarah in ihrer japanischen Familie 

Eine Familie in der Nachbarschaft 
hat mich sogar "adoptiert" - ich 
gehe einmal in der Woche abends 
zu ihnen und wir quatschen dann. 
"Meine japanischen Eltern" sind 
genauso alt wie meine biologi- 
schen, deutschen und sie haben 



eine Tochter, die funf Jahre alter ist 
als ich. Wenn ich mal ein Problem 
habe, eine Fahrt zum Flughafen 
brauchte, eine Nahmaschine aus- 
leihen mochte, jemand brauche, 
der meine Essensreste verwertet, 
bevor ich in den Urlaub fahre - 
dafur habe ich meine Japanische 
Familie. A _ A 

Naturlich ist in gewisser Weise der 
Kontakt zu anderen Auslandern 
einfacher, weil man zum Beispiel 
einen anderen kulturellen Hinter- 
grund hat und sich dann gemein- 

sam iiber Japan aufregen kann 

Aber selbst wenn man diese "wir 
sind Auslander" Schnittmenge hat, 
hat man ja nicht unbedingt gleich 
viel gemeinsam - das habe ich 
neulich gemerkt, als sich zwei 
meiner besten nicht-Japanischen 
Freundinnen, eine Australierin und 
eine US Amerikanerin iiber die 
Bucher, die wir als Abiturientinnen 
lesen mussten, unterhalten haben - 
da konnte ich nicht mithalten, weil 
ich von den Autoren oft noch gar 
nichts gelesen hatte 

Ist also alles relativ. 

Das gleiche passiert mir mit 
meinen Kollegen naturlich auch - 
wenn die plotzlich iiber die Manga 
reden, die sie als Kind gelesen 
haben, habe ich naturlich auch 
keine Ahnung.... 

A A 

Hast Du Ratschlage fur Deutsch- 
sprachige, die nach Japan kom- 
men mochten? 

Rat fiir Deutschsprachige, die pla- 
nen, nach Japan zu kommen? 

Um zu arbeiten? oder fiir einen 
Kurzurlaub? 

Fiir einen Kurzurlaub wiirde ich 
empfehlen, nicht nur die grossen 
Stadte anzugucken, sondern vor 
allem auch mal aufs Land zu fahren 
- bei ihrem ersten Japanbesuch 
haben meine Eltern nur Tokyo 
gesehen, bei ihrem zweiten nur 
"die Provinz" - sie haben hier so 
viele Leute getroffen, die alle mit 
ihnen reden wollten (nicht, weil sie 
Auslander sind, sondern wohl eher 
weil sie meine Eltern sind....) ihr 
abschliessender Kommentar :"Die 
zehn Tage auf dem Land haben sich 
wie 3 Wochen angefuhlt!" - 



JapanLive 



September 2005 



Ich wurde also empfehlen, nicht 
nur Hochhauser, Tempel und 
Kaufhauser anzugucken, sondern 
vor allem auch Leute zu treffen! 

Und um hier zu arbeiten? 

pun, das ist auch wieder schwierig, 
vor allem, weil ja manche von ihren 
Firmen hier hingeschickt werden 
(die dann ja kein Japanisch 
sprechen konnen/konnen mussen) 



und andere nach Japan kommen, 
weil ihnen Japan gefallt und sie 
dann nach einem Job suchen. 
Letzteren kann ich nur empfehlen 
mit soliden Japanischkenntnissen 
hierhinzukommen, sonst durfte es 
sehr schwer sein ohne Arbeits- 
visum einen Job zu finden, aber das 
war ja sowieso schon x-mal auf der 
DinJ-Mailingliste. . . . 
eigentlich wurde ich das gleiche 



empfehlen, was ich auch den Touri- 
sten empfehle, oder Japanern die 
fur ein paar Jahre nach Deutschland 
Ziehen: sich mit den "Einheimi- 
schen" anfreunden, dann hat man 
am meisten vom fremden Land. 

Vielen Dank Sarah fur das Ge- 
sprach. Wir wiinschen Dir alles 
Gute und einen genauso interes- 
santen nachsten Job. 



Briefkasten 



initiative Unterrichtsbesuche" 
von Elke Hayashi 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

was ich hier vorstelle, ist kein 
Forschungsvorhaben, sondern 
eine Initiative auf freiwilliger Basis 
mit dem Ziel, die Motivation, 
Deutsch zu lernen, zu steigern. 

Wer von Ihnen/euch einmal mit in 
Kashi war, wo alljahrlich einmal im 
Fruhling funftagig Intensiv-Deut- 
schkurse auf verschiedenen Ni- 
veaustufen angeboten werden, war 
gewiss begeistert. 

Diese Begeisterung bezog sich zum 
einen vermutlich auf die Idee, den 
Studenten einmal auBerhalb des 
Unibereichs Deutsch als Unter- 
richtserlebnis darzubieten, zum 
anderen jedoch sicherlich auch auf 
die, den teilnehmenden Kollegen 
die Moglichkeit zur gegenseitigen 
Hospitation zu bieten. 

Meine Studenten zeigen sich 
immer sehr interessiert, wenn sich 
einmal ein aktiver Besucher in 
meinen Unterricht „verirrt". (Aktiv 
heisst, jemand, der auf die 
Studenten eingeht, sich bei 
Partnerarbeiten mit in eine Gruppe 
einfugt etc. ) Die liebsten Besucher 



sind den Studenten die, die sie als 
ihnen ebenburtig empfinden, also 
keine Lehrerkollegen. Doch an die 
kommt man in der Regel etwas 
schwieriger heran. Und nicht jeder 
Muttersprachler ist frei und unbe- 
fangen im Umgang mit Deutsch- 
lernern, die sich ja in der Fremd- 
sprache Deutsch zumindest in den 
unteren Klassen noch nicht flies- 
send artikulieren konnen. 

Und so ist schliesslich der Plan ent- 
standen, die Idee zu Unterrichts- 
besuchen und Hospitationen von 
Muttersprachlern ins Internet zu 
stellen. Der Empfang der Besuche 
oder Hospitationen ist naturlich 
nicht an eine Nationalist gebun- 
den. Dankenswerterweise hat 
Frank Mielke die technischen Vor- 
aussetzungen geschaffen und damit 
fur eine unkomplizierte Kommuni- 
kation der Besuchswilligen und der 
Gastfreundlichen gesorgt. 

Da diese Initiative kein For- 
schungsvorhaben darstellt, eine 
Bitte an alle Besucher: Sollte 
jemand, was sicherlich nicht 
undenkbar ist, seine/ihre Besuche 
zu Forschungszwecken verwenden 
wollen, sprechen Sie/sprecht ihr 
dies bitte vor her in jedem Fall mit 
dem Betreuer der zu besuchenden 
Klasse ab. 



verwendete Unterrichtsmaterialien 
nur in gegenseitigem Einverneh- 
men fur andere Klassen verwendet 
werden. 

Und so whxTs gemacht: 

Man erreicht die Initiative Unter- 
richtsbesuche uber die Seite "AGs 
und Projekte" oder uber "Neues" 
auf der „Lektorenhomepage" unter 
http://www. deutsch-in-japan. de/ 

Sollte es mit der Anmeldung Pro- 
bleme geben, bitte bei Elke 
Hayashi hayas-mh@sophia-ac.jp 
melden. 

Nun bleibt abzuwarten, ob diese 
kunstlich geschaffenen Kommuni- 
kationsmoglichkeiten mit Mutter- 
sprachlern sich in steigender 
Motivation zum Deutschlernen auf 
Seiten der Studenten (und viel- 
leicht sogar auch der Dozenten?!) 
bemerkbar machen. Vielleicht 
nicht immer, aber immer ofter!? 

Ein herzliches Dankeschon an alle 
Besuchs-Empfangswilligen und ein 
ebenso herzliches Yoroshiku an 
alle Deutsch-Muttersprachler, wel- 
cher Berufsgruppe sie auch ange- 
horen mogen. 

Und naturlich alien potentiellen 
Beteiligten gutes Gelingen wunscht 



Ich gehe ebenfalls davon aus, dass Elke Hayashi 



JapanLive 



September 2005 



Blick nach Westen: 

Streben nach Verstandigung zwischen den Kulturen 

Interview mit Dr. Martin Woesler, Sinologe 




Dr. Martin Woesler 

Beim Herumstobern im Internet bin 
ich durch Zufall auf der Homepage 
von Herrn Woesler gelandet. Ich 
fand die Seite so interessant, daB 
ich ihn fragte, ob er zu einem Inter- 
view bereit sei. 

Du bist beruflich gesehen, 
Sinologe ? Oder als was wiirdest 
Du Dich bezeichnen. Konntest 
Du Dich uns bitte vorstellen ? 

Ein Sinologe ist auch immer ein 
Universalist, jemand, der an die 
Moglichkeit des Kulturaustausches 
glaubt und den Vergleich nicht 
scheut. 

In der Geschichte der China- 
wissenschaften waren Sinologen 
auch immer Kulturmittler und Uber- 
setzer, da bis heute z.B. nur ein 
kleiner Bruchteil der chinesisch- 
sprachigen Literatur ins Englische 
oder Deutsche ubersetzt ist. Ich 
versuche meinen kleinen Teil zum 
gegenseitigen Austausch zwischen 
den unterschiedlichen Kulturkrei- 
sen des Abendlandes und Asiens 
beizutragen. 

Ich glaube daran, dass man iiber 
das Kennenlernen den anderen 
verstehen kann und schlieBlich 



Verstandnis und Toleranz ent- 
wickelt. Im globalen kulturellen 
Feld versuche ich das, was ich an 
interkultureller Kompetenz erwor- 
ben habe, in verschiedenen Be- 
reichen (Wissenschaft, Kultur, Wirt- 
schaft) und mit den zur Verfugung 
stehenden Mitteln (Dolmetschen, 
Ubersetzen, Internet-Kommuni- 

kation, Vermitteln) umzusetzen. 

Dabei habe ich in sehr unter- 
schiedlichen Bereichen Erfahrun- 
gen gesammelt. 

Ich habe im Deutschen Programm 
von "Radio Peking" und im Chine- 
sischen der "Deutschen Welle" 
Praktika gemacht und so beide 
Perspektiven kennengelernt. 

Ich habe bei chinesischen Soft- 
ware-Firmen Praktika gemacht 
(Suntendy, Twinbridge) und fur 
mehrere AuBenministerien elektro- 
nische Chinesisch-Losungen gelie- 
fert. 

Ich habe die Sprachprufung des 
Auswartigen Amtes bestanden und 
in der Presseabteilung der Bot- 
schaft in Peking gearbeitet, zuletzt 
habe ich im August 2005 einen 
Konferenz-Dolmetscherkurs in 

Germersheim mitgemacht. 

Ich habe mich mit dem chine- 
sischen Genre des Essays beschaf- 
tigt und befreundete Wissenschaf- 
tler in Asien und Amerika gefun- 
den, die dieses Interesse teilten, 
und alle zu einer Konferenz nach 
Deutschland eingeladen. Im Juli 
war ich in Peking und habe 
mitgeholfen, drei Schulpartner- 
schaften zwischen Stuttgarter 
Gymnasien und bekannten 
Pekinger Mittelschulen zu initiie- 
ren. 

Ich habe etwa an der Chinesisch- 
Sektion der Harvard-Universitat 
gelehrt und geforscht, und fand die 
Arbeitsatmosphare dort wesentlich 
freier und inspirierender als etwa 
an einigen staatlichen Universitaten 



in Deutschland, an denen ich 
bisher tatig war. 

Am spannendsten ist die derzeitige 
Phase, in der ich mithelfen kann, 
das "China-Colleg" und die "Sino 
German School of Governance" an 
der Privaten Universitat Witten/ 
Herdecke aufzubauen, in diesem 
Rahmen muss ich im September an 
der Nanjing-Universitat unterrich- 
ten. 

Nebenbei arbeite ich an einem 
Forschungsvorhaben iiber den 
bekanntesten chinesischen Roman 
"Traum der Roten Kammer" und 
helfe bei der ersten vollstandigen 
deutschen Ubersetzung. 

So unterschiedlich diese Erfah- 
rungen auch sind, sie pragen einen 
alle, bilden kleine Mosaiksteine im 
eigenen China-Bild und sind trotz 
ihrer Andersartigkeit verbunden 
durch das gemeinsame Band des 
Strebens nach Verstandigung 
zwischen den Kulturen. 

Koenntest Du uns in einem klei- 
nen "Essay" iiber die Bedeu-tung 
der Sinologie in Deutsch-land 
berichten. 

Das ware sicher sehr interessant 
fur diejenigen Japaninteressier- 
ten, die etwas iiber den Teller- 
rand schauen mochten. 

Die Sinologie wird ja moderner als 
Chinawissenschaften bezeichnet. In 
Deutschland gibt es seit den 1910er 
und 20er Jahren Sinologie- 
Lehrstuhle in Hamburg, Leipzig, 
Berlin und Frankfurt. Die Sinologie 
in der ehemaligen DDR wurde nach 
der Vereinigung recht profan 
'abgewickelf. 

Derzeit werden im Zuge der 
Streichungen zahlreiche traditio- 
nelle Sinologische Seminare ge- 
schlossen, wobei gleichzeitig die 
Nachfrage nach Angeboten zur 
chinabezogenen Ausbildung 

wachst. 



JapanLive 



September 2005 



Zwar ist China fur Japan schon 
immer sehr bedeutend gewesen, 
man bedenke nur den Import der 
chinesischen Schriftzeichen. 
Was denkst Du liber die Bedeu- 
tung von China fur Japan heute ? 
Ist es nur noch wirtschaftlich ? 

Fur Japan ist China seit den 1980er 
Jahren durch die zunehmende 
Kaufkraft sicherlich ein wirtschaft- 
lich interessanterer Absatzmarkt 
geworden, auch die Produktions- 
und Arbeitskosten sind in China ja 
deutlich unter denen des hoch- 
preisigen Japan. Wahrend sich 
Japan fruher zu seinen chine- 
sischen kulturellen Wurzeln bekan- 
nte, ist das Verhaltnis spatestens 
seit dem Einmarsch der Japaner 
gestort. In jungerer Zeit hat die 
Bankenkrise in Japan, die sich zur 
Asienkrise ausweitete und von der 
China verschont blieb, Anlass zur 
Neugewichtung gegeben. Halt die 
derzeitige Entwicklung wirtschaft- 
licher Stagnation in Japan an und 
des wirtschaftlichen Booms in 
China, so gleicht sich auch die 
wirtschaftliche Relation der geo- 
graphischen an. 

Wie ist es eigentlich umge- 
kehrt ? 

Japan ist fur China wichtiger als es 
die chinesische Propaganda wahr 
haben mochte. Ein ahnliches 
Phanomen erlebt man aber auch 
bei der Verschleierung des 
Einflusses des Kapitals von 
Auslandschinesen. 

Sieht man das Bedeutungswachs- 
tum von China auch an den 
Studentenzahlen ? 

Ja, es gibt derzeit in Deutschland 
etwa 3400 Studenten, die Chine- 
sisch lernen. Das wurde in einer 



chinesischen Zeitung von der 
chinesischen Kultur-Botschaftsratin 
Dr. Liu bereits als "Chinesisch-Run" 
bezeichnet. Tatsachlich muss man 
das aber in Relation zu den ca. 5800 
Studenten setzen, die etwa vor dem 
Massaker 1989 in Deutschland 
Chinesisch studierten. Dennoch ist 
in den vergangenen Jahren ein 
zunehmendes Interesse an China 
entstanden, allein aufgrund der 
extrem zunehmenden wirtschaft- 
lichen Kontakte. Kaum jemand, der 
heute eine Ausbildung macht, wird 
in seinem spateren Berufsleben 
ohne Kontakt zu China bleiben. 

Weisst Du zufalligerweise, ob es 
eine Statistik gibt, in der 
aufgefuhrt wird, wieviele Studen- 
ten in Deutschland Chinesisch 
UND Japanisch lernen ? 

Tut mir leid, es ist mir nicht 
bekannt, wieviele beide Sprachen 
lernen. 

Wer Chinesisch studiert, lernt 
normalerweise auch 2 Semester 
Japanisch oder besucht zumindest 
einen Kurs "Lesen japanischer 
Texte" oder ahnliches. 

Wie sieht es im Ausland aus ? 

In China gibt es naturgemaB viele 
japanische Studenten der chine- 
sischen Sprache, da es fur sie 
aufgrund der Zeichen-Vorkennt- 
nisse wesentlich einfacher ist, die 
Sprache zu lernen. Ahnlich ist es 
fur Japanologen in China. Die Zahl 
der koreanischen Studenten in 
China hat aber, soweit meine 
personlichen Eindrucke richtig 
sind, schon in der ersten Halfte der 
1990er Jahre die der japanischen 
uberholt. 

Hast Du gute Ratschlage fur 
diejenigen, die solches planen ? 



Wenn man schon Japanisch kann 
und Chinesisch lernen mochte, 
sollte man nach Japan fliegen und 
dort Chinesisch-Lehrbucher 

kaufen, da man mit dieser 
kontrastiven Methode wesentlich 
besser lernen kann. 

Ich habe auf Deiner Seite 
( http://martin.woesler.de/) 
entdeckt, daft Ihr eine deutsche 
Version der Vokabeln fur die 
Wenlin-Software bearbeitet. 
http://dewenlin.com/ 
Wie weit seid Ihr damit gekom- 
men ? 

An dem Projekt arbeiten derzeit 
fast 100 Leute mit, dar unter 
Professoren, Mittelbauler und 
Studenten. Da ich derzeit stark in 
die Aufbauarbeit zweier neuer 
Institutionen an der Universitat 
Witten eingebunden bin, habe ich 
mich in den vergangenen Monaten 
zu wenig um das Zusammentragen 
gekummert. Die Grundidee ist 
jedoch, dass alle, die ein biBchen 
beitragen, viel davon profitieren, 
da sie fur ihre wenigen Eintrage 
viele zuruckerhalten. Ich habe die 
Koordination inzwischen von der 
alphabetischen Vorgehensweise 
auf ein vorrangiges Erstellen der 
haufig verwendeten Eintrage 
(Gebrauchsfrequenz) umgestellt, 
damit man die Ergebnisse haufiger 
bei der alltaglichen Benutzung 
dieses elektronischen Worter- 
buchs, das mit ca. 210.000 
Eintragen eines der umfang- 
reichsten weltweit ist, sehen kann. 

Vielen Dank fur die interes- 
santen Kommentare zu Deut- 
schland, China und Japan. 

Michael Klaus Engel 



JapanLive 



September 2005 



Fur Sie gelesen 



Martin Fritz 
Yoko Kobayashi I 
Prinzessin Ma&ako 
Dergefangene 
SchmetterLi™ 




Prinzessin Masako - Der 
gefangene Schmetterling 

Das Drama am japanischen Kaiser- 
hof 

Martin Fritz, Yoko Kobayashi 

Herder Verlag . 2005 

ISBN 3-451-28656-4 

EUR 19,90 



Japan ? Fujiyama, Sony, Honda, 
Manga und Geisha. Dies sind die 
Begriffe, die Otto-Normalverbrau- 
cher mit Japan verbindet. 

In den letzten Jahren ist nun ein 
weiteres Schlagwort dazugekom- 
men: Masako - die Kronprinzessin. 

Wenn man in Deutschland erwahnt, 
daB man in Japan wohnt, wird man 
regelmafMg auf sie angesprochen, 
ob sie inzwischen wieder gesund 
sei, ob sie noch ein weiteres Kind 
habe, u.s.w. 



Sie hat es den Leuten angetan, fast 
schon wie Prinzessin Diana. 

Ich muB ehrlich gestehen, 
japanische Kaiser und Prinzessinen 
und damit verbundene Dramen 
haben mich bisher nie so richtig 
inter essiert. Im Fernsehen gibt es 
sowieso meistens nur Kurznach- 
richten zu sehen. Langere Berichte 
und Analysen gibt es erst dann, 
wenn das Kind im Brunnen liegt. 

Als mir aber Martin Fritz von 
seinem Buch erzahlte, dachte ich, 
"OK, das ist die Chance, 'mal 
dahinterzublicken" und ich las das 
Buch. Ich muB nun gestehen, die 
ganze Geschichte ist interessanter, 
als ich gedacht hatte. 

Die Autoren haben es wirklich 
geschafft, Ordnung in die wirren 
Nachrichten um Masako, ihrer 
Krankheit und der menschlichen 
Schwachen des Kaiserpalastes zu 
bringen. Nach Lekture des Buches 
sieht die Geschichte mit einem Mal 
weniger geheimnissvoll aus. 

Masako ist uns Auslandern ahnli- 
cher als wir vermuten. Sie hat ihre 
Jugend in den USA verbracht und 
ist dadurch nie eine typische Japa- 
nerin geworden. Das ist ihr groBes 
Problem, wie die Autoren deutlich 
machen. 

Anscheinend dachte Masako, recht 
naiv, daB ihre Einheirat in die 
urjapanischste aller japanischen 
Familien recht problemlos vonstat- 
ten gehen wurde. 

Vielleicht ware es auch so gekom- 
men, wenn sie es nur mit ihrem 
Mann zu tun hatte. 

Wie die Autoren zeigen, hat der 
Kaiserpalast fur sie aber nur die 
Funktion einer Gebarmaschine des 
zukunftigen Kaisers vorgesehen. 
Da sie diese Erwartungen nicht er- 
fullt (hat), ist der Druck dement- 
sprechend riesig groB. 



Dieses Drama ist nun erst durch die 
unjapanische Vorgehensweise des 
zukunftigen Kaisers ans Licht ge- 
kommen. Es ist eigentlich nirgend- 
wo gut angesehen, schmutzige 
Wasche in der Offentlichkeit zu 
waschen - besonders aber nicht in 
Japan und noch weniger bei 
"Familie Tenno". Ein Riesenschock 
fur Japan, aber ein Fundus fur uns, 
um Japan besser kennenzulernen. 

Martin Fritz und Yoko Kobayashi 
haben die Entwicklung des Masa- 
ko-Dramas durch viele Interviews 
mit Freunden und Bekannten des 
Kaiserpalastes erforscht und zei- 
gen, daB nicht nur das Nachfol- 
gerproblem eine Rolle in diesem 
Drama spielt, sondern auch die 
Schwierigkeiten, die Japan mit 
auslandischen Denkweisen haben. 
Die Ansichten des Kronprinzen, der 
in Oxford studiert hat und von 
Masako, die in den USA gelebt hat, 
um das zukunftige Bild des Tenno 
sind in direkter Konfrontation mit 
denen des Kaiserpaares. 

Wie wird es weitergehn ? Die Auto- 
ren meinen, daB der Ausgang die- 
ses Kampfes noch offen sei. Wird 
das modernere Japan sich gegen 
das bewahrende konservative 
Japan durchsetzen konnen ? Ich 
mochte nun vermeiden, Franz 
Beckenbauer zu zitieren, aber wir 
mussen eben abwarten. Hoffen 
durfen wir jedoch. 

Vielleicht lost sich ja das Problem 
in Nichts auf, wenn wirklich der 
weibliche Nachwuchs in die Thron- 
reihenfolge aufgenommen wird. 

Ich empfehle das Buch all denen, 
die sich fur Japan, seiner Denk- 
weise und dem Alltagsleben von 
Japanern interessieren. 

Wer sich das Buch nicht selbst 
zulegen mochte, kann es auch 
verschenken (und vorher heimlich 
selbst lesen). 

Michael Klaus Engel 



JapanLive 



September 2005 



Elke Hayashi-Mahner 
Tagelohner und Obdach- 
lose in Tokyo 

OAG Taschenbuch Bd.85 

Iudicium Verlag , 2005 

ISBN 3-89129-181-7 
148S. 5 kt.,21 Abb. 
EUR 8,- 

WufMen Sie, daG es in Tokyo ein 
Tagelohnerviertel gibt ? Es heifM 
Sanya und liegt in den Gebieten 
Taito-ku und Arakawa-ku. Es war in 
der Meijizeit eigentlich eine viel- 
besuchte Herbergsgegend, die 
sich jedoch im Laufe der Zeit in 
einen Slum verwandelte. Erst in 
letzter Zeit hat sich es wieder etwas 
zum Besseren gewandelt und man 
findet in letzter Zeit sogar viele 
auslandische Touristen auf der 
Suche nach einer billigen Unter- 
kunft. 

Frau Hayashi beschaftigt sich im 
ersten Teil ihres Buchs uber die 
gesellschaftlichen Outsider Japans 
mit einer Einfuhung in die genaue 
Lage des Sanyaviertels gefolgt von 
ausfuhrlichen Informationen zu den 
Unterkunften und der rechtlichen 
und sozialen Situation des Standes 
"Tagelohner" , ihren Problemen und 
Moglichkeiten bei Arbeitslosen- 
tagegeld, Krankenversicherung, 
Pflegeversicherung, u.v.m. 
Der zweite Teil ihres Buches be- 
schaftigt sich dann naher mit den 



Obdachlosen in Tokyo, wo sie 
leben, warum sie obdachlos 
wurden, wie ihre Lebensumstande 
sind, u.s.w. Anschliessend be- 
schreibt sie ausfuhrlich die Mass- 
nahmen, die die japanischen 
Sozialamter ergreifen, um die Ob- 
dachlosen wieder in ein normales 
Leben einzugliedern, sowie wie 
sich das japanische Sozial- 
absicherung- und Sozialhilfesys- 
tems ihrer annimmt. 
Im letzten Teil ihres Buches stellt 
Frau Hayashi dann die Situation der 
Auslander in Not vor, ihrer gleich- 
zeitigen legalen Ausgrenzung und 
praktischen Nichtausgrenzung. 
Obwohl das Buch nur die verwal- 
tungsrechtliche Komponente in 
Betracht zieht, ist es ein interes- 
santes Buch, das nicht nur die Situa- 
tion von Tagelohnern und Obdach- 
losen detailliert schildert, sondern 
das auch viele praktische Informa- 
tionen zum japanischen Verwal- 
tungssystem gibt. 

Einen einzigen verbesserungswur- 
digen Punkt hat das Buch jedoch: 
die japanischen Begriffe sind alle 
nur in Romaji geschrieben. Es ware 
sicher hilfreich gewesen, alle 
Begriffe ebenfalls in Kanji zu liefern 
(mit Romaji in Klammern) oder 
zumindestens einen Anhang zu 
geben, in dem alle Begriffe in 
Romaji/Kanji/Deutsch aufgelistet 
sind. 

Frau Hayashi selbst schreibt zu 



ihrem Buch: "Darin beschreibe ich 
das Phanomen der Yoseba 
(Tagelohnerzentren) am Beispiel 
von Sanya in Tokyo unter sozial- 
politischen Aspekten. Dazu gehort 
das tagliche Leben in diesen 
Zentren ebenso wie Entgelte, 
Unterkunfte und deren Errichtung 
so wie Zeitraum der Nutzung als 
auch die Existenz von Sozialab- 
sicherungsformen. Wer wurde 
schon vermuten, daB Tagelohner in 
Japan ebenso der Sozialab- 
sicherungspflicht unterliegen wie 
andere Arbeitnehmer auch. 
Deshalb existieren fur diese 
Arbeitnehmergruppe auch speziell 
auf sie zugeschnittene Formen von 
Versicherungen. Naturlich sieht die 
Realitat nicht ganz so rosig aus, wie 
der erste Eindruck vielleicht 
vermuten liesse. Und so gehe ich 
auch auf "Versicherungsmuffelei" 
und deren soziale Hintergrunde 
etc. pp. ein, woraus sich wiederum 
die Notwendigkeit ergibt, bestim- 
mte juristische Gegebenheiten 
hierzulande (in Japan) zu erlautern. 
Und auch die Tatsache, daB es von 
der Existenz als Tagelohner nicht 
weit in die Obdachlosigkeit ist, 
verschweige ich nicht. Und so 
befasse ich mich auch der Situation 
der Obdachlosen in Tokyo. Auch 
auf die Auffalligkeit, daB es hierzu- 
lande kaum weibliche Obdachlose 
gibt, gehe ich ein." 

Michael Klaus Engel 



Schlussbemerkung 



Jetzt ist unser erster Ausflug in 
Japan schon zu Ende und ich hoffe, 
es hat Ihnen gefallen. Ich bin gerne 
bereit mit Ihnen in Kurze die 
nachste Reise zu unternehmen. 
Kommen Sie wieder mit ? 
Als ich die Idee zu diesem Magazin 
hatte, dachte ich nicht daran, daB 
es soviel SpaB machen wurde und 
daB ich dadurch so viele 
interessante Menschen kennenler- 
nen wurde. Ich hoffe, Sie haben 
beim Lesen ahnliches empfunden. 
Jetzt mochte ich aber noch einige 
mehr von Ihnen kennenlernen: 



Deutschsprachige, die Japanisch 
lernen oder lehren, die in Japan 
leben und arbeiten, Leute, die in 
Deutschland, Osterreich, der 
Schweiz sich mit Japan oder 
Japanisch beschaftigen. Sicher 
konnen die meisten von Ihnen 
interessante Geschichten erzahlen. 
Versuchen Sie es bitte. 
Die Zeitschrift steht und fallt mit 
Ihrer Mitarbeit. Lassen Sie Ihre 
Ideen fliessen, schreiben Sie liber 
Ihre Erfahrungen mit Japan, uber 
schone und schreckliche Sachen, 
erklaren Sie uns wie Japan wirklich 



ist und denkt. 

Ich warte und freue mich auf Ihre 

Artikel. 

Am Schlufi mochte ich mich sehr 
herzlich bei den Autoren der 
Artikel und bei den Interview- 
gasten bedanken - ohne sie gabe 
es diese Zeitschrift nicht. 

Also dann, bis zum nachsten Mai. 

Michael Klaus Engel 
JapanLi ve@gmail . com